Die Aufgabe in Kürze: An ausgewählten Forschungsstellen nehmen wir Proben, um zu untersuchen: Wie tief ist der arktische Dauerfrostboden hier geschmolzen? Mit Messgeräten untersuchen wir Palsas auf Gesteinslagerungen, messen die Topographie. Weitere Aufgabe: Kernbohrungen an Fichtenstämmen. Die Jahresringe geben später im Labor Aufschluss darüber, wie die globale Erwärmung das Wachstum beeinflusst. Vorweg: Alle Daten aus unseren Proben fließen in die Langzeitstudie ein und werden erst dann im Vergleich mit anderen Proben aussagefähige Ergebnisse bringen.

 

EINS MIT DER NATUR

 

Warten auf den Van. Und ab „nach Hause“ in die Dechen’La Lodge – unser Quartier für elf Tage. Über Steine, durch Bäche – satte drei Stunden für 15 Kilometer. Dafür rundum Berge, Täler, Natur pur. Für mich einer der intensivsten Tage der Expedition.

 

Mein Highlight kommt mit dem Regen an einem der nächsten Tage: Auch heute drei Stunden Anfahrt. Endlich mal wieder Bäume in Sicht. „Coring“ steht auf dem Programm. Kernbohrungen in Fichtenstämmen. Ich im Fichtenhain, mitten im nassen Moos. Wie wunderbar die feuchte Erde duftet. Beseelt bohre ich die siebte Fichte an, entziehe die 14. hauchdünne Probe aus den Stämmen. Matilda aus Australien präpariert das Stück fürs Labor. Regen rinnt übers Gesicht. Ich atme tief durch. Bin glücklich und geerdet. Hatte nie zuvor das Gefühl, so eins mit der Natur zu sein. Nasse Haare, feuchte Kleidung, erdige Hände – na und? „I’m singing in the rain“, schmettern wir auf dem Weg zurück zum Van, einem ausgedienten Schulbus.

 

DREI STUNDEN FAHRT FÜR 15 KILOMETER

 

Der Regen hat aufgehört. Nach drei Stunden Fahrt mit dem Van und in klammen Klamotten Ankunft bei Barb, Norm und Josh Barichello auf ihrer Dechen’La Lodge. Wir alle haben sie sofort ins Herz geschlossen. Herzlich und humorvoll ist ihre Gastfreundschaft. Heimelig das Ambiente: Essen und studieren in der Holzlodge, schlafen in einfachen Hütten mit Zweierbetten. Ohne Strom und fließendes Wasser. Dafür mit Plumpsklo samt Panoramablick auf die Berge!

 

Gleich gibt’s Essen. Moose und Caribou – Elch- und Rentierfleisch. Ob ich vorher noch im Badehäuschen dusche? Ich verkneif’s mir. Nass bin ich ja noch. Weiß, wie aufwendig für Norm und Sohn Josh der Weg zur Quelle ist, um Wasser für uns alle zu holen. Sorgsam mit der Ressource umzugehen, das ist die erste wichtige Lernerfahrung für mein „Leben danach“.

 

Und die zweite folgt sogleich: Zimmergefährtin Jane und ich feuern den Holzofen an, um die Kleidung zu trocknen. Zum Glück nur einmal in den zwei Wochen. Acht Stunden dauert es nämlich, bis neues Holz geholt, gehackt und in der Hütte ist. Da tut’s hier und da wirklich mal eine Pulloverschicht mehr zum Wärmen.

 

OHNE INTERNET UND HANDY

 

Abendbrot. Peter Kershaw schließt an mit einem Vortrag zum Klimawandel. Danach gesellige Runde. Ohne Internet, E-Mail, Handy. Kein Online-Netz in den Bergen. Dafür muntere Gespräche im Erdgeschoss, kurzweiliges Kartenspiel im ersten Stock, Beobachtung des Sonnenuntergangs auf der Veranda. Um 22.30 Uhr puste ich die Kerze in der Hütte aus, schlafe wie ein Stein. Nix raubt die Ruhe nach erfüllten Tagen. Fokussiert auf Natur, das Projekt und eine harmonische Gemeinschaft.

 

Unser letzter Tag. Die Zeit in den Bergen ist zu Ende. Noch ein gemeinsamer Abend in Whitehorse (Yukon), bevor es uns wieder in alle Winde zerstreut. Auf dem Weg aus der einsamen Wildnis zurück in die Zivilisation lasse ich die Zeit Revue passieren. Was nehme ich mit für mich? Ganz klar:

 

Den sorgsameren Umgang mit den Ressourcen und mir die Umweltverträglichkeit meines Handelns immer wieder bewusst zu machen.

www. earthwatch.org