Dein modisches Vorbild ist..?

... Nick Wooster, Stylist aus New York. Er zeigt mit seinem Stil: Auch mit über 60 kann Mann noch modisch aussehen. Er inspiriert, hat kein Problem, auch mal gelbe Schuhe zum schwarzen Anzug zu tragen. Und zeigt: In jeder Lebenslage kann man sich ausprobieren. Mein Credo lautet: „Man soll immer zusehen, dass man in seiner Altersklasse zu den Besten gehört“ - frei nach der früheren französischen Vogue Chefin Carine Roitfeld. Das nimmt den Druck, sich mit den Jüngeren zu vergleichen und spornt gleichzeitig an, sich nicht hängen zu lassen.

 

Nun zu deinem Blog „Style Statements“ - wie bist du auf die Idee gekommen?

Er ist entstanden aus dem Wunsch, ein eigenes Online-Magazin zu machen. Ich bin gern mein eigener Chef. Das ist spannend und herausfordernd zu gleich.

 

Wie sieht dein Konzept aus?

Erstens: Ich möchte mehr Männer für Mode begeistern. Frauen machen das schon ganz toll. Vor allem deutsche Männer haben da noch Aufholbedarf. Ich denke, das ist für Männer vieler Altersklassen ein Thema, die sich mal ausprobieren und weiterentwickeln möchten, mit der richtigen Beratung an ihrer Seite. Dafür steht der Blog.

 

Zweiter Gedanke: Stilvoll älter werden. Und auch mal zu experimentieren. Das dritte Thema ist die Nachhaltigkeit. Welche Umweltauswirkungen hat mein Konsum? Unterstütze ich Fast-Fashion oder kleine unabhängige Läden?

 

Du hast kürzlich gepostet: Darf man T-Shirt für 1,50 Euro kaufen?

Ja, weil ein Freund ganz stolz sagte: „Schau her, dafür habe ich 1,50 Euro ausgegeben.“ Das war während der Fashion Week. Er lachte noch so in sich hinein und ergänzte: „Was die wohl darüber denken, dass ich nur 1,50 Euro bezahlt habe?“

 

Du warst „not amused“?

Nein. Überleg’ doch mal, was da am Ende für die Produzenten übrig bleibt. Es ist ein perverser Preis ähnlich wie für Hackfleisch, das weniger kostet als Hundefutter. Diese Konsum-Exzesse haben ein Ende erreicht, das nicht mehr nachhaltig ist.

 

 

 

 

 

 

Jörg Oberwittler, gebürtiger Bielefelder besuchte die Journalistenschule in Berlin. Der 40-Jährige lebt seit zehn Jahren in der Bundeshauptstadt, arbeitet für Medien wie Spiegel Online, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Welt. Seit September 2017 bloggt er mit „Style Statements“ rund um das Thema Männermode.

 

Viele Menschen kaufen Mode bereits beim Discounter.

Ich habe nichts dagegen, wenn eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern bei Primark kauft. Aber wenn ein Blogger das macht, finde ich das nicht in Ordnung. Wir müssen Vorbild sein, uns mehr darüber unterhalten: Welche Auswirkungen hat unser Konsum? Die Mode hat einen wichtigen Anteil an den klimatischen Veränderungen. Ich empfehle das Buch „Einfach anziehend - der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben“ von zwei Greenpeace Autoren, die sagen: Die Modeindustrie ist einer der großen Klimasünder hier auf unseren Planeten.

 

Was sollten Mann und Frau im Schrank haben?

Mein Tipp: Macht zunächst eure Hausaufgaben bei den Basics. Mit rund 20 Teilen, die man gut kombinieren kann: Für den Mann sind das ein dunkler oder blauer Anzug, Jeans, ein schönes Sakko, ein gutes weißes Shirt sowie ein schwarzes und weißes Hemd samt Einstecktuch. Dann als Zweites gerne Trends aufgreifen, die zu Typ und Figur passen.

 

Sichtwort Beratung: Das machen die Frauen bei den Männern doch auch ganz gut?

Ich finde es nicht richtig, wenn Frauen ihre Männer anziehen. Das sollte er selber machen. Beraten kann sie, anziehen muss er sich selber. Oft sind die Frauen besser angezogen als die Männer. Sie dürfen den Männern nur nicht den eigenen Stil überstülpen, sondern sollten schauen: Was will er?

 

Wohin wird sich die Mode in zehn Jahren entwickeln?

Meine These ist: Die Mode wird sich - ähnlich wie bei den Lebensmitteln - in eine Bio-Richtung entwickeln. Die Menschen werden verstärkt hinterfragen: Woher kommt meine Kleidung? Wie wird sie gemacht? Aus welchen Materialien besteht sie? Das Bikini-Haus hier in Berlin ist beispielhaft dafür, kleine Marken zu unterstützen, die sich hier präsentieren. Gleichzeitig geht es darum, das Thema „Recycling“ mit aufzugreifen. Neue Ideen und Materialien auszuprobieren. Wie die Marke „Ecoalf“ hier in der „Alte Schönhauser Straße“. Auch Adidas produziert bereits Turnschuhe, die aus Plastikmüll bestehen.

 

Abschließend deine Meinung zu:

Krawatte versus Einstecktuch?

Einstecktuch! Die Krawatte ist eher wie ein Korsett. Dazu bunte Schnürsenkel. Ich mag’s ohne Konventionen lieber.

 

.. Frauen im Männerstyle?

Super! Ich hab’ gestern gedacht: Dich stecken wir gleich mal in den Boyfriend-Style. Den Trend, dass Frauen Männersachen tragen, gibt’s schon lange. Marlene Dietrich hat damit angefangen. Ich finde es gut, wenn sich beide Geschlechter beeinflussen. Wie mit großen Schals und Tüchern. Bei Gucci gibt’s jetzt den schönen Stil, auch als Mann Hemden mit Spitze zu tragen. Oder ein Hemd mit Seidenschluppe.

 

Jack Wolfskin?

Outdoorjacken in der Stadt finde ich unpassend. Aber für den Outdoorurlaub und die Wanderung ist der Look durchaus zu tragen. Die Regel ist, immer dem Anlass entsprechend gekleidet zu sein. Das schließt doch den Kreis.