Der Cut kommt mit 45

 

20 Jahre später ist sie auch beruflich an der Spitze. Verantwortungsvoller Job in der Wirtschaft. 16-Stunden-Tag. Mit Ende 30 wird Katja geboren. Doch Mutter und Tochter fühlen sich zunehmend unwohl. Wo bleibt die Zeit füreinander? „Ich hatte immer stärker das Gefühl, weder meiner Rolle als Angestellte noch als Mutter gerecht zu werden“, sagt Mona. Mit 45 der Cut. Mona hängt sicheres Einkommen und altes Leben an den Nagel. Beginnt das zweijährige Referendariat und schließt mit dem zweiten Staatsexamen die Ausbildung zur Diplom Handelslehrerin ab.

Endlich Zeit füreinander! Mona und Tochter Katja, aufgenommen kurz nach Monas Neuanfang. Beide wirken wieder glücklich.                                                                                               Foto: Privat

 

Freunde ziehen sich zurück

 

„Die zwei Jahre bis dahin waren hart“, sagt sie. Raus aus Komfortzone und Komfortwohnung, hinein in die Ungewissheit und eine kleine Mietwohnung. Mona überbrückt die zwei Jahre mit ihrem Gespartem und dem Gehalt im Referendariat. Freunde ziehen sich zurück. Was bleibt, ist die Angst, es nicht zu schaffen. Doch Mona weiß: „Ich habe nur diesen einen Weg. Um mehr Zeit für mein Kind und mich zu haben. Und dass wir beide wieder glücklich werden.“

 

Ich konnte mein Kind erwachsen werden sehen

 

Sie hat alles richtig gemacht. Das weiß sie heute. Seit 2008 arbeitet Mona in Hamburg als Studienrätin an einer Berufsschule und sagt: „Ich würde den Weg immer wieder so gehen.

Mein Wille hat mir die Kraft dazu gegeben. Und ich konnte mein Kind erwachsen werden sehen. Wahrnehmen, wenn es traurig oder glücklich war.“

 

Tochter Katja ist heute 21, studiert in Hamburg Medizin. Und Mona? Sie hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Neue Interessen hinzugewonnen. Und neue Menschen, die ihr Leben bereichern. Ihre Schüler zählen dazu. „Ich kann so viel von ihnen lernen“, sagt die Studienrätin. „Diese Unbeschwertheit zum Beispiel. Und ich helfe ihnen mit meiner Lebenserfahrung und Lebensphilosophie dabei, aus dem Nest zu springen hinein das Berufsleben. Mit einem guten Abschluss und einer positiven Lebenseinstellung.“

 

Fotos (2): Thessa Steffen

Im Tango die Leidenschaft des Lebens spüren

 

Die lebt Mona ihren Mitmenschen in einer bunten Vielfalt vor. Beim Laufen oder Tangotanzen zum Beispiel. Dann taucht sie ein in die Intensität des Lebens. „Diese Eleganz, diese Anmut“, schwärmt sie. „Tango zu tanzen, bedeutet für mich, die Leidenschaft des Lebens zu spüren.“