Wofür bist du besonders dankbar?

Ganz ohne Frage für meine drei Kinder. Und ich bin dankbar für mein Leben. Das kann nicht jeder nachvollziehen, weil manches auch holprig gelaufen ist. Mein Exmann fragte mich mal: Du würdest mich doch nicht wieder heiraten? Doch, antwortete ich. Das hat mich zu dieser Frau gemacht, die ich heute bin. Glücklich, lebensfroh und mit sich im Reinen.

 

Wie wichtig ist dir ein gesundes Wertebewusstsein?

Es macht mein Leben aus. Wie sehr unser Handeln unser Selbstbewusstsein prägt, habe ich erst im Laufe des Lebens begriffen. Ich hatte in Jobs manchmal studentische Aushilfen. Die Zeiten der An- und Abwesenheit habe ich nicht kontrolliert. Nur gesagt: Halte das für dich selber nach. Die Firma wird nicht unter deiner Abwesenheit leiden. Aber meine Bitte an dich: Mache es für dich selbst. Du gehst ganz anders hier raus. Dieses sich Durchmogeln wollen, das macht dich doch klein, das Selbstbewusstsein kaputt. Jeder ist für den Wert seiner selbst auch selbst verantwortlich.

Kommen wir zum Thema „Alter“: Was sagst du dazu, dass sich ältere Menschen optisch gern hinter „beige-braun“ verstecken?

Für „beige-braun“ möchte ich mal eine Lanze brechen. Wenn die Leute sagen: „Ihr könnt euch mit eurem Modestress mal hinten anstellen. Das habe ich in meinem Leben oft genug gemacht. Jetzt will ich was für die Waschmaschine haben und meine Hobbies leben, wie ich will“, dann ist mir das schnurzpiepegal. Wenn es eine bewusste Entscheidung ist, steht es mir überhaut nicht zu, überheblich darauf zu gucken. Aber es muss nicht sein. Und das ist doch die Freiheit unserer Zeit! Man kann wählen: Wie will ich leben? Was ist mir wichtig? So oder so: Ich möchte nicht mehr, dass es Menschen gibt, die mitleidsvoll auf eine Generation schauen, die älter als 60 ist.

 

Du sprichst vom Alter als Adelsprädikat ...

Adelig zu sein ist für mich etwas, das Stil und eine besondere Prägung hat. Sich zugehörig und gut fühlen zu dürfen in einer Gruppe. Verantwortung zu übernehmen. Genau in diesem Sinne ist es für mich eine Auszeichnung, älter zu sein. Was haben wir für ein Lebens-Know-how!! Wie viele Male sind wir gescheitert. Und das Leben ging weiter. Meine Erfahrung zeigt: Wenn es wehtat, bin ich am schnellsten gewachsen! Das ist ein herausragendes Merkmal. Wir alle haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Sei es für den Partner, die Kinder oder die älter gewordenen Eltern. Wir haben gesellschaftliche Aufgaben übernommen. Damit schlage ich die Brücke zum Adel. Wir müssen es weltweit schaffen, dass sich unsere Gruppe adelig fühlt!

 

Kämest du noch mal auf die Welt, was würdest du anders machen?

Mein Leben würde ich eindeutig immer wieder so leben wollen. Ich könnte nicht auf meine Kinder verzichten. Dafür brauchte ich meinen Mann, diese Erfahrung und Nähe, die wir in unserer Familie - auch nach unserer Scheidung - immer noch leben. Gott sei Dank!

 

Und was kommt als Nächstes?

Viel Neues. Das chilenische Fernsehen beispielsweise hat mit mir kürzlich einen Film zum Thema Nachhaltigkeit und Umgang mit dem Alter gedreht. Der wird auf UNO Plattformen gezeigt. Die haben mich im Netz entdeckt und rausgefischt. Glücksstern! Glücksstern! Glücksstern! Unglaublich, oder? Wartet ihr erst mal ab, bis ihr 70 seid!