Was hat dir vor dem Start in die Selbständigkeit denn gefehlt?

Mein „Why“. Warum stehe ich morgens auf? Warum tue ich das, was ich tue? Mir fehlte das Feuer. 2007 erkrankte ich an einem seltenen Virusinfekt. Sechs Jahre lang war ich nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. Hatte neurologische Ausfälle, spürte tiefe Erschöpfung. Meine Kinder waren noch klein, sechs und acht Jahre alt. Diese Zeit, die ich so verflucht habe, war die Zeit, in der ich zu dem gekommen bin, was ich jetzt tue. Damals habe ich mich immer wieder gefragt: Wer bin ich eigentlich? Was will ich im Leben machen? Sofern ich überhaupt noch etwas machen kann. Ich habe begonnen, spirituelle und psychologische Bücher zu lesen und mich mit der Sterbebegleitung zu befassen. Irgendwann war dann klar: Du willst Therapeutin werden. Ja, das ist mein „Why“. Das ist es, weshalb ich morgens aufstehe und mich in Bewegung setze. Mein Leidensweg sollte nicht umsonst gewesen sein!

 

Wie viel Angst hast du damals gespürt?

Große Angst. Zumal mir die Ärzte sagten, ich würde wohl nie wieder gesund. In dem Moment habe ich versucht, loszulassen und mir gesagt: Gut, wenn ich nie wieder gesund werde, was könnte ich dann machen? Ich habe ja noch mein Hirn. Damit kann ich ja irgendetwas machen. Die Zähigkeit habe ich von meiner baltischen Oma. Ich bin ein Mensch, der sowohl den Mut hat, große Schritte zu tun. Aber ich habe auch immer wieder Angst. Angst ist ein Motor. Das gehört zum Menschsein dazu.

 

Welche Eigenschaften zeichnen dich aus?

Meine Empathie, gepaart mit meinem analytischen Verstand. Ich bin schnell in der Lage, Themen und Probleme auf den Punkt zu bringen und dabei tief die Bedürfnisse der Anderen zu erspüren. Dann lieben die Menschen in meinem Umfeld meine Kochkünste und meine Lebensfreude. Das steckt an. Das weiß ich.

 


Eine Vita, die bewegt...

Dr. Britta Papay traf ich im Café Hosch in Hamburg-Winterhude. Die 53-Jährige entstammt einer deutschen Familie, die über viele Jahrhunderte im Baltikum lebte. Der Beruf des Vaters bedingte einen Umzug - zur Auswahl standen Tokio oder Verona. Es wurde gewürfelt(!). Und es wurde Verona. Britta ging in Italien zur Schule, studierte später Jura. Promovierte in internationalem Strafverfahrensrecht. Während eines Praktikums in einer amerikanischen Unternehmensberatung lernte sie 1989 in Hamburg ihren Ex-Mann kennen. Britta arbeitete in verschiedenen Wirtschaftsbranchen. 1999 wurde die erste, zwei Jahre später die zweite Tochter geboren. Nach einer sechsjährigen Virus- Erkrankung entschied sie sich zur beruflichen und privaten Veränderung. Absolvierte mehrjährige Ausbildungen als Systemische Therapeutin, Coach und Mediatorin und trennte sich 2016 von ihrem Mann. 2017 machte sich Britta in Hamburg-Eppendorf selbständig als Mediatorin, Coach und Systemische Therapeutin.

 

KONTAKT

Dr. Britta Papay

Lehnhartzstraße 8

20249 Hamburg

040 / 20 95 69 33

Mobil 0160 / 97 30 09 30

E-Mail: britta.papay@hamburg.de

 


Worüber freust du dich am meisten?

Es sind die kleinen Dinge. Wenn morgens die Sonne scheint. Ich bin glücklich, wenn ich am Gardasee mit einem Glas Wein sitze und einen schönen Sonnenuntergang sehe. Wundervolle Musik höre. All das hat mir auch in schweren Zeiten geholfen.

 

Selbständigkeit in den (finanziellen) Erfolg zu führen, braucht Zeit. Wie gehst du damit um?

Mir haben meine vielen Jahre in der Wirtschaft geholfen, vorher einen klugen Plan zu entwickeln und auszurechnen: Wie lange kann ich von meinem Ersparten leben, ohne unter Druck zu geraten? Drei bis fünf Jahre wird es dauern, bis es so läuft, wie ich es mir vorstelle. Natürlich bin ich auch ungeduldig und habe mal schlaflose Nächte. Weil ich weiß, dass es Zeit braucht, versuche ich, diese Ungeduld immer wieder zu zähmen. Es hat mir sehr geholfen, mit dieser Weitsicht zu leben und zu arbeiten.

 

Was bedeutet Mut für dich?

Ohne Mut keine Belohnung. Ich bin so überzeugt, von dem, was ich tue und glücklich damit, dass ich einfach fest daran glaube: Es wird gut.

 

Wie glücklich bist du insgesamt?

Glück ist ein sehr großes Wort. Ich finde, Glück sind Momente. Meine Hochzeit war einer der schönsten Tage meines Lebens. Gefolgt von der Geburt meiner Kinder. Oder als ich meine Prüfungen bestanden habe. Zu sehen, dass mein Beruf jetzt der richtige für mich ist. Das, was ich am meisten anstrebe ist Zufriedenheit. Die kommt für mich in erster Linie aus meiner Gesundheit, die zum Großteil wieder da ist. Sie kommt aus Situationen, wie meine Kinder um mich zu haben, die gesund sind.

 

Wie wichtig ist die Beziehung zu deinen Kindern?

Ganz wichtig! Meine Krankheit war sehr schwer für meine Töchter. Sie waren sechs und acht Jahre alt. Dann gab es noch mal das große Ruckeln in ihrem Leben, als ich mich von meinem Mann trennte. Ich war damals unfassbar stolz auf meine Kinder. Sie haben sich toll verhalten, auch wenn sie sauer, wütend und verzweifelt über meinen Schritt waren. Irgendwann sagten beide zu mir: „Mama, wir verstehen deine Entscheidung.“ Jetzt sind sie stolz, dass ich mich mit über 50 noch mal auf einen komplett neuen Weg gemacht habe. Ich fühle, dass ich Vorbildcharakter für sie habe. Meine älteste Tochter studiert Psychologie!

 

Was erlebt ihr Drei am liebsten zusammen?

Das sind wieder mal die kleinen Dinge. Wenn ich was gekocht habe, wir zusammensitzen und sie aus ihrem Alltagsleben erzählen. Es ist das Schönste, wenn ich höre, wie sich ihr Leben entwickelt und sie immer weiter erwachsen werden. Und meine Töchter lieben ihre zweite Heimat Italien. Gemeinsame Zeit dort zu verbringen, ist jedes Jahr wieder wundervoll.

 

Was kochst du dann?

Alles Mögliche und natürlich Pasta! So einen Teller Nudeln zusammen zu essen, ist schon toll. Dann wird gegackert. Zu meinem Geburtstag im vergangenen November haben wir uns richtig chic gemacht und mit 25 Ladies Zuhause gefeiert - in Pailletten und Glitzer.

 

Was ist dein größter Traum?

Einmal nach Afrika zu reisen, wo mein Vater einige Jahre gelebt hat. Bis ins ganz hohe Alter arbeiten zu können. Auch wenn ich gut allein leben kann: Ich bin ein Beziehungsmensch. Deshalb wünsche ich mir, wieder einen tollen Mann zu treffen. Er sollte elegant, wohlerzogen und humorvoll sein - und Italien lieben. www.brittapapay.de