· 

Dr. Veronika Wolter: „Mit jeder erfolgreichen Operation therapiere ich mich auch ein Stück selbst“

Mit neun Jahren wurde sie nach einer Hirnhautentzündung fast taub. Mutig und entschlossen kämpfte sie sich durchs Leben und ihr Medizinstudium. Heute operiert Dr. Veronika Wolter an der Asklepios-Klinik in Hamburg-Heidberg - als eine der renommiertesten Cochlea-Implantat-Experten Deutschlands (Foto: Asklepios).

Mit der HNO-Oberärztin habe ich mich im Café der Klinik zum Interview getroffen. Vor mir sitzt eine gutaussehende junge Frau mit dunklem Zopf und festem Blick aus warmen brauen Augen. 45.000 Menschen hierzulande tragen diese Innenohr-Prothese, erzählt sie. 150 Operationen habe sie, die selbst zwei Implantate trägt, bis heute erfolgreich umgesetzt. Zwei Jahre alt war der jüngste, 94 Jahre der älteste Patient.

 

„Man kann auch im hohen Alter von einer Operation profitieren“, sagt die Ärztin. „Denn hochgradig Hörgeschädigte haben ein fünffach erhöhtes Demenzrisiko.“ Demenztests vor und nach der OP hätten gezeigt: Je besser ein Mensch hört, desto geringer sei die Gefahr der Demenz. Über ihre Arbeit sagt die Leiterin des Hanseatischen Cochlea Implantat Zentrums der Hamburger Asklepios Kliniken (HCIZ): „Mit der Operation allein ist es nicht getan. Eine lebenslange Nachsorge mit perfekter Anpassung des Sprachprozessors und Hörtraining mit Spezialisten ist wichtig.“ Das Positive: Die Kosten sowohl für Operation und Nachsorge tragen die Krankenkassen.

 

Das Leben mit der Schwerhörigkeit ist herausfordernd. „Viele Menschen verstehen den Unterschied zwischen Schwerhörigkeit und Dummheit nicht“, sagt die 36-Jährige. „Man hat schon im alten Ägypten die Schwerhörigen für dumm erklärt. Wenn man die Historie versteht, dann versteht man auch, warum sich diese Menschen schämen und meinen, sich verstecken zu müssen. “

 

Dr. Veronika Wolter weiß, wovon sie spricht. In der Schule wegen ihrer Schwerhörigkeit gemobbt, kämpft sie sich durchs Abitur und Medizinstudium mit Stationen in Leipzig und Hamburg, in den USA, der Schweiz und Italien. Immer wieder probiert sie unterschiedliche Hörgeräte aus. Immer wieder entzünden sich dabei ihre Ohren. Ihr droht die komplette Taubheit. Doch sie gibt nicht auf. Mit dem Cochlea-Implantat vor rund zehn Jahren kommt neuer Lebensmut auf. Ihr Leben „danach“ erklärt die junge Mutter so:

 

„Ich bin ein ganz anderer Mensch geworden. Denn ich wusste: Ich kann meine Arbeit als Ärztin weitermachen. Und meinen Mann wieder richtig verstehen. Vor der Implantation ging das nur, wenn er dicht vor mir stand und ganz langsam sprach. Bei meiner Logopädin in Hannover lernte ich wieder, richtig zu sprechen. Je besser meine Hörfähigkeit wurde, desto selbstbewusster wurde auch ich.“

 

Wie mutig sieht sie sich? „Je höher der Leidensdruck ist, desto mutiger wird man. Je steiler der Berg ist, desto stärker trete ich in die Pedale,“ sagt die Frau, die jeden Tag mit dem Rennrad 20 Kilometer zur Klinik und zurück fährt und gern mal einen Halbmarathon läuft. „Stellen Sie sich vor, Sie sind 18 Jahre alt und haben einen Hörschaden. Um Sie herum erzählen Ihnen anerkannte Fachleute: Arzt ist ein kommunikativer Beruf. Das können Sie auf keinen Fall machen.“ „Doch ich habe mir nichts gefallen lassen“, sagt Dr. Veronika Wolter. „Immer wenn mir jemand einen Stein in den Weg legte, habe ich gesagt: Nein, das darf nicht sein. Ich muss einen Weg finden.“


Cochlea-Implantate:

Das Cochlea Implantat besteht aus zwei Bauteilen: das interne Bauteil wird im Knochenbett hinter dem Ohr verankert. Dann wird ein Zugang durch den Kochen gelegt und der Elektrodenträger in die Hörschnecke des Ohres eingeführt. Das externe Bauteil besteht aus einem Soundprozessor mit Miko, der den Schall erfasst und digitalisiert. Die Spule wird magnetisch auf der Haut angebracht und überträgt die digitalen Klänge vom Prozessor zum Implantat-Empfänger.

 

Kontakt:

HNO.nord@asklepios.com

www.asklepios.com/hciz

Tel.: +49 (0)40/1818873055

 

Dr. Cornelia Wolter traf ich zum Interview in der

Asklepios Klinik Hamburg-Heidberg.


Erst am Krankenhaus Martha-Maria in München, ihrer dritten Station als Ärztin, sei sie aufgestanden wie Phönix aus der Asche. „Mein Chef, Professor Markus Suckfüll, war der erste, bei dem ich gemerkt habe: Der hört mir zu. Wenn Sie operieren lernen, ist jedes Wort wichtig. Er hatte überhaupt kein Problem, ein zusätzliches Mikrofon am Mundschutz zu tragen, damit ich ihn besser verstehe. Das mache ich in der Tat noch heute so. Im OP darf es nicht zu Missverständnissen kommen. Sie müssen sehr sicher sein, alles richtig zu verstehen.“

 

Kraft habe ihr stets auch die Familie gegeben, sagt sie rückblickend. „Meine Eltern haben mich unterstützt und bestärkt, dass Menschen nicht das Recht haben, mich auszugrenzen, sondern dass ich so wie ich bin, gut bin. „Andere Leute haben eine Brille, du hast ein Hörproblem“, haben sie gesagt. „Lass dich davon nicht einschränken. Gehe deinen Weg, den du gehen willst.“ Sie habe versucht, das zu tun. „Ich hab mich immer gefragt: Was ist dir wichtig? Relativ schnell bin ich bei der Medizin gelandet. Ich wollte etwas Sinnvolles machen, das anderen Menschen hilft. Wenn ich merke, ich kann einem Patienten helfen, dann therapiere ich mich immer auch ein kleines Stück mit. Und spüre: Das, was ich durchgemacht habe, war nicht umsonst.“

 

Wir verabschieden uns. Dr. Veronika Wolter hat Feierabend. Nun heißt es ab aufs Rennrad und nach Hause zu Mann und Sohn. Der ist 18 Monate alt und Gott sei dank gesund. „Jetzt kommen die ersten Wörter. Das ist total schön!“

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Kontakt

Meine Interviews und Portraits in der Presse


Bianca Bödeker

Internationale Kommunikation

Königsfarn 1

22417 Hamburg

 

Tel.: +49 (0)172 99 46 494

Email:  info@boedeker-kommunikation.com