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Lorena Wannick designed Mode mit Pflanzenfarben aus ihrem Garten

„Trinke mit den Augen und fülle mit den Farben dein Herz“. Dieses chinesische Sprichwort ist zugleich Lebensmotto von Lorena Wannick. „Wenn man sieht, welche Farben die Natur bietet, dann ist das unglaublich schön. Es erfüllt mich und durchdringt meine Arbeit.“ Lorena Wannick ist Modedesignerin. Nachhaltige Modedesignerin.

 

Will heißen: Die 26-Jährige aus Borstel färbt die Stoffe für ihre Kleidung mit Blumen aus ihrem Garten. Auch Gemüsereste sind willkommen. Da trifft die Narzisse auf die Seide, die Avocado auf die Wolle oder die Zwiebel auf das Leinen. In Wasser ausgekocht entsteht kurze Zeit später eine nachhaltige und farbenprächtige Verbindung aus Naturfarben, bereit für die textile Weiterverarbeitung.

 

„Immer wenn ich meine Farbkarten vor Leuten auspacke, die das noch nie gesehen haben, sind diese überrascht, wie kraftvoll Naturfarben sind, wie viele Farbnuancen es gibt, und wie gut sie zusammenpassen“, sagt Lorena Wannick, die erst vor wenigen Wochen ihr Modedesign-Studium an der HAW Hamburg mit dem Master of Arts und der Note 1,0 bestanden hat.

 

Lorena Wannick mit ihrer Masterkollektion in ihrem Atelier auf dem familieneigenen Hof in Borstel.  Immer dabei: Kätzchen Keks, ein Findelkind.

Großgeworden ist sie auf dem ehemaligen Bauernhof ihrer Großeltern in Borstel. Hier lebt sie noch heute mit ihrer Familie und schätzt es sehr, so natur- und tiernah aufgewachsen zu sein. Spricht’s und krault erst mal Kätzchen Keks, ein Findelkind, das nicht von Lorena Wannicks Seite weicht.

Mittlerweile sind Milch- und Landwirtschaft eingestellt, das Land verpachtet. Geblieben ist der ehemalige Gemüsegarten der Großmutter. 50 Quadratmeter groß und heute Lorena Wannicks Blumengarten. Hier tummeln sich Hummeln, laben sich Insekten. Sind die Blüten verblüht, zupft die Designerin sie vorsichtig ab, trocknet und lagert sie in Gläsern. Da wird kein Blumenstrauß weggeworfen und auch die Blätter des sonntäglichen Rotkohls finden ihre farbige Weiterverwendung.

 

Vor fünf Jahren entdeckte Lorena Wannick ihre Liebe zu den Pflanzenfarben. „Wenn man mit dem Modedesign-Studium startet, macht man sich zunächst keine Gedanken über die Industrie, die dahinter steht sondern fokussiert sich mehr auf das Entwerfen, auf Design und Schnitt. Während eines Kurses bei einer Designerin zum Thema nachhaltiges Modedesign beschäftigte ich mich erstmals ernsthaft mit den ökologischen und sozialen Problemen bei der Fertigung in die Textilindustrie. Sie ist neben der Schwerölindustrie die dreckigste weltweit.“

 

Vom Mädchenauge über die Narzisse bis hin zu Zwiebel- und Rotkohlschalen - die Designerin färbt  ihre Stoffe und Webgarne mit Pflanzen- und Gemüseresten. Was exemplarisch an einem Glas gezeigt wird, erfolgt auf dem Herd in einem Topf: Heißes Wasser, Pflanzen und Stoffe werden zum Färben zusammengeführt und aufgekocht.

So fand Lorena Wannick in den Naturfarben und Naturstoffen ihre kompromisslose Alternative. Los ging es mit Zwiebelschalen, aus denen sie Terrakotta- und Kupfertöne gewann. „Auch mit dem Rotkohl habe ich relativ früh angefangen.“ Farbvielfalt und -intensität seien abhängig von der Natur selbst - der Jahreszeit und dem Wetter. Stoffe aus tierischen Fasern wie Seide oder Wolle, so die Designerin, eignen sich hervorragend zum Färben. „Weil sie die Farben sehr gut annehmen und relativ strahlend kräftig wiedergeben.“ Das gelte auch für pflanzliche Fasern wie Baumwolle und Leinen, die gewonnenen Farben seien hier jedoch eher erdig. Zur besseren Haltbarkeit behandelt die 26-Jährige die Stoffe zuvor mit Beize.

 

Aus eigener Erfahrung weiß die Modedesignerin, wie Farben die eigene Seele beeinflussen. „Seiner Naturverbundenheit kann man Ausdruck verleihen durch die Farben, die man trägt, ohne dass es unbedingt nach Öko aussehen muss“, sagt sie, die warme Orangetöne am liebsten mag. „Es gibt so viele schöne Fair- und Slow-Fashion-Labels, die sich von der chemischen zurück auf die pflanzliche Färbung besinnen. Angelehnt an die Achtsamkeitsbewegung mit dem Ansatz, weniger und bewusster Kleidung zu konsumieren und zu kombinieren“, sagt sie. „Und das als Gegenbewegung zur Fast-Fashion der großen Modeketten, die alle zwei bis vier Wochen mit neuen Kollektionen aufwarten. Ein T-Shirt für 1,50 Euro, da blutet einem als Designer das Herz. Weil man weiß, wieviel Arbeit von der Idee bis zur Fertigung darin steckt.“

 

Für ihre Masterarbeit hat Lorena Wannick eine Kollektion von sieben Outfits entworfen und gefertigt. „Der Anspruch an die Masterkollektion war, diese komplett kompostieren zu können“, sagt sie, die statt mit Reißverschlüssen mit Holzknöpfen und Schnürungen gearbeitet hat. Einen Teil der Wollstoffe webte die Designerin dafür zuvor selbst - am eigenen Webstuhl. Ihn hat sie 2016 von der Oldesloer Handweberin Almut Lembke übernommen. Entstanden sind „Lorenas Lieblingsteile“ - gut kombinierbar und über einen langen Zeitraum zu tragen. Vorbilder habe sie keine, sagt Lorena Wannick, würde sich jedoch gern mal mit der britischen Designerin Stella McCartney austauschen, die in ihrer Kollektion bereits komplett auf Pelz und Leder verzichte.

 

Nicht nur beim Bioessen sondern auch bei der Biokleidung tue sich etwas, sagt Lorena Wannick. „Immer mehr Menschen öffnen sich für diese Themen. Die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg hat einen großen Anteil daran. Es war immer meine Sorge, dass die Generation nach mir nicht sensibilisiert ist für den Umweltschutz. Dass sie nur noch von Mediendruck und Markendruck bestimmt sei. Gut zu sehen, dass sich die Kinder der neuen Zeit mehr und mehr öffnen.“

 

Gern würde sich Lorena Wannick Färbereien in andern Ländern anschauen. Zum Beispiel in Indien. „Weil da noch viel mit Pflanzen gefärbt wird. Auch die knallorangen Gewänder der tibetischen Mönche sind aus reiner Pflanzenfarbe.“ Wovon sie träumt? „Von einer besseren Welt. In der die Menschen verstehen, dass alles seinen Wert hat, jedes Leben kostbar ist und sie sich dementsprechend verhalten.“

Weitere Infos unter www.walor-design.de

 

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