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Greta Silver: "Jeder Mensch hat einen Glücksstern!"

Journalistin Hamburg | Interview Magazine | Bianca Bödeker Abendblatt
Journalistin Hamburg | Interview Magazine | Bianca Bödeker Abendblatt

Sagt Greta Silver. 71 Jahre alt. Model, YouTube-Star und Buchautorin. Sie habe ich in Hamburg getroffen. Und mit ihr im ersten Teil meines Interviews über Freiheit, Mut und Wachsamkeit gesprochen.

Greta, was war das Mutigste in deinem Leben?

Das Mutigste war, mein Buch „Wie Brausepulver auf der Zunge“ zu schreiben. Da habe ich eine Ehrlichkeit an den Tag gelegt, zu der ich mich ein stückweit überwinden musste. Ich hatte zunächst im Manuskript beschrieben, was mir im Leben passiert ist und was ich daraus gelernt habe. Meine Agentin sagte: „Das versteht man so nicht. Du warst selbständig und sagst, du bis gemobbt worden. Du hast nur Abitur und vier Sterne-Hotels eingerichtet. Das kriegt man nicht zusammen. Kannst du nicht auch noch eine Biographie schreiben?“

 

Also habe ich mich hingesetzt und die Biographie geschrieben. Diese musste dann mit dem Manuskript verbunden werden und ich dazu tiefer in die Themen eintauchen. Dorthin, wo es weh tat. Freiwillig wollte ich da nicht so gern ran. In dem Moment erinnerte ich mich an die amerikanische Sozial-Forscherin Brené Brown, die bewiesen hat: Unsere Verletzbarkeit ist gleichzeitig die Wiege für Schmerz, Scham, Leid, aber auch für Lebensfreude und Fülle. Schutzmauern, die den Schmerz verhindern sollen, bremsen leider auch die Freude im Leben. Das habe ich mir zu Herzen genommen. Ich wollte die ganze Bandbreite der Lebensfreude, also wurden alle Schutzmauern eingerissen. Der Damm ist gebrochen und das Buch ein Spiegel-Bestseller. Was kann mir noch passieren? Die ganze Wahrheit liegt bereits auf dem Tisch. Es fühlt sich erstaunlich gut an zu seinen Ecken und Kanten, zu seinem Versagen und seinen Verletzungen zu stehen. Ja, es befreit.

 

Du sagst, du möchtest die Welt auf den Kopf stellen. Wie schaffst du das?

Die Welt auf den Kopf stellen heißt für mich in erster Linie: raus aus der Norm! Ich habe gesellschaftlich früher sehr angepasst gelebt. War nie ein Hippie oder 68er. Aber heute betrachte ich die junge Greta mit 30 oder 40 als erstaunlich angepasst, in gewohnten Bahnen laufend. Ich weiß noch, dass ich mich in Gruppen bewegte, von denen ich jetzt sage: Da habe ich mit angezogener Handbremse gelebt. Dort gab es Menschen, die sagten: GRETA!!!! Ich spürte, denen bringe ich zu viel Energie mit. Dann habe ich mich runtergefahren, angepasst, nur um dazuzugehören. Ich habe das damals gar nicht hinterfragt. War glücklich, es jedem recht zu machen. Aber jetzt spüre ich, wie Freiheit wirklich ist. Ich flippe ja nicht aus. Mache nicht die völlig verrückten Sachen. Habe aber meine Flügel deutlich weiter ausgespannt. Mein Buch hat enormes Potential, da mitzuwirken.

 

Und wie lebst du diese Freiheit heute?

Sie läuft sicherlich sehr viel im Inneren ab. Dass ich hinterfrage: Möchte ich das wirklich tun? Es gibt ja vieles, das wie früher weiterläuft. Ich engagiere mich ehrenamtlich, weil ich weiß: anderen zu helfen macht auch mich glücklich. Ich glaube, meine Freiheit liegt darin zu hinterfragen: Will ich das machen oder nicht?

 

Was würdest du gar nicht tun?

Wieder etwas, nur um anderen zu gefallen, und so dazuzugehören.

 

Durch deine Berühmtheit gehörst du nun quasi allen...

(Lacht) Ja, ich bin froh, dass der Hamburger so diskret ist. Manchmal bilde ich mir ein, am Blick zu sehen, dass jemand denkt: Ich kenn dich. Aber der Hamburger spricht niemanden an. Das ist toll! Schmunzeln musste ich bei einem Treffen neulich. Als ich mich vorstellen wollte, sagte jemand: Wir gucken doch Talkshows!

 

Wie gehst du damit um?

Erst mal ist mein ganzes Umfeld vergattert, mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Ich will nicht abgehoben sein. Ich freue mich, dass meine Kinder so begeistert sind von dem, was da gerade abgeht. Aber ich möchte ja von meinem Naturell, Wertesystem und Charakter so bleiben wie ich bin. Es kostete mich anfangs Überwindung zu sagen: Ich laufe genauso schlunzig zum Einkaufen wie ich das sonst gemacht habe. Style mich nicht extra, nur weil man mich erkennen könnte. Ich lebe mit dem Risiko, dass jemand einen „Schock“ bekommt und sagt: So kann die also auch aussehen. Machte ich das nicht, würde ich mich doch wieder einengen.

Journalistin Hamburg | Interview Magazine | Bianca Bödeker Abendblatt
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In deinem Buch schreibst du, mit Ende 40 sei dir ein Glücksstern über den Weg gelaufen. Hat jeder Mensch einen Glücksstern?

Mein Bauchgefühl sagt mir: Ja, es gibt Glückssterne für jeden - nicht nur für mich. Und es liegt an uns, was wir daraus machen. Ich erinnere mich, dass ich irgendwann mal in einem Job arbeitete - zwar frei, aber mit langer Perspektive. Auch wenn ich mich darin wohl fühlte, dachte ich damals:

 

Ach wie schade, du hast deine Offenheit verloren, neue Chancen zu sehen. Gott sei Dank habe ich dann gleich geschaut: Gibt es da einen Schalter in mir? Und diese Offenheit in mir wieder angeknipst. Siehe da, es kamen neue Ideen und Chancen. Ich dachte auf einmal: Ach Mensch, will ich dieses und jenes nicht auch mal gerne machen?

Wir brauchen diese Wachheit, diese Antennen. Klar probiert man mal was aus und sagt: Das war nicht mein Ding. Vielleicht auch: Ich bin gescheitert. Aber zumindest versucht habe ich es. Und muss am Ende meines Lebens nicht sagen: Wie schade, das hättest du gern noch mal probiert. So denke ich, ist das in jedem Leben mit den Glückssternen verteilt.

 

Was wünschst du dir am meisten?

Diese Wachsamkeit zu behalten und die Fähigkeit, das Leben mit viel mehr Sinnen zu erfassen, als ich es in jungen Jahren konnte. Wie ist man früher durch Amsterdam oder London gelatscht? Was hat man da wahrgenommen? Begriffen? Man ist im Alter immer mehr in der Lage, auch Zwischentöne rauszuhören. Dafür gilt es, dankbar zu sein.

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