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Meine Auszeit in Indien: Namaste in Rajasthan!

Die letzte Etappe meiner neuntägigen Reise mit The Passionist durch Nordinien führt mich nach Rajasthan - in die Städte Jaipur und Amber.

Fotos: Sagar Saxena

Heller Sonnenhut, lockeres Baumwollhemd, lässige Chinohose und ein gewinnendes Lächeln: Sagar Saxena ist ein Sympathieträger. Beschwingt kommt er in Abhaneri - das liegt auf halber Strecke zwischen Agra und Jaipur auf mich zu und wird in den nächsten drei Tagen an meiner Seite bleiben.

Der 35-Jährige stellt sich zunächst auf Englisch vor. „Wir können auch deutsch sprechen“, sagt Sagar (Foto links), der eineinhalb Jahre in München gelebt und gearbeitet hat, nach einigen Minuten und lächelt verschmitzt. Und erklärt mir bei 40 Grad im Schatten entspannt und cool die Geschichte des Stufenbrunnens Chand Baori und des in unmittelbarer Nähe befindlichen Harshat Mata-Tempels aus dem 7. / 8. Jahrhundert.

 

Berührende Einblicke in das Leben auf dem Lande

 

Auf dem Weg zur Autobahn Richtung Jaipur bitte ich um einen Stopp. Gern möchte ich einige Eindrücke vom Landleben mit der Kamera festhalten. Sagar macht es möglich. Steigt aus dem Auto, geht auf den Hof der Familie und fragt das Oberhaupt, einen Herrn mit Schnurrbart, freundlich danach. Der nickt und schnell kommen aus den umliegenden Häusern Frauen und Kinder gelaufen. Ein kleines Mädchen kuschelt sich vertrauensvoll an mich. Diese Geste berührt mich sehr. Der älteste Sohn fragt auf Englisch, woher ich komme. Alle sind ganz aufgeregt. Ich bin es auch: Denn ich darf mich umschauen, auch einen Blick hinter die Mauern der bunt bemalten Häuser werfen.

 

Sehr herzlich wurde ich von der Dorfgemeinschaft aufgenommen, durfte sogar einen Blick in die Küche und die Schlafräume werfen.

In die Küche, sogar in das Schlafzimmer und  den kleinen Wohnraum - und immer sind Kinder und Jugendliche um mich herum. Mit so wunderbaren offenen, freundlichen und wunderschönen Gesichtern. Der älteste Sohn bietet uns ein Glas Wasser an. Bevor wir uns verabschieden, werfen wir noch einen Blick in den Stall.  Vier Kühe und Bullen gehören zum Haushalt der Familie. Die winkt uns fröhlich nach, als wir weiterrollen. Für mich eine der berührendsten Begegnungen auf meiner Reise.

 

Am Abend kommen wir in Jaipur an. Jaipur ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan und voller Zeugnisse der königlichen Familie. Sie regierte einst die Region und gründete 1727 die heutige Altstadt oder "Pink City", wie Jaipur wegen der Farbe seiner wichtigsten Bauten genannt wird.

 

Unvergessliche Momente in Japiur: Besuch auf dem Blumenmarkt, im Citypalast und Hare-Krishna-Tempel.

Energetische Zeremonie im Hare-Krishna-Tempel

 

Am frühen Morgen holen mich Fahrer Denish und Reiseführer Sagar aus meinem so gemütlichen Boutiquehotel Jobner Bagh ab. Wir wollen heute eine Hare-Krishna-Tempel-Zeremonie besuchen. Vorher kaufen wir noch eine florale Spende auf dem üppigen Blumenmarkt. Als Tempelneuling genieße ich die wohlige Atmosphäre der kommenden 30 Minuten und spüre ein echtes Glücksgefühl beim gemeinsamen Mantra-Singen.

Krishna ist eine der populärsten Gottheiten im Hinduismus. Das Wort, so lese ich nach, bedeutet auf Sanskrit dunkel und symbolisiert das höchste Bewusstsein. Traditionsgemäß wird Krishna mit blauer Hautfarbe und gelber Kleidung dargestellt. Die gelbe Farbe steht für die Unendlichkeit. Sie ist die Farbe der Erde. Krishna zog die Welt in seinen Bann mit seiner bezaubernden, seelenberührenden  und göttlichen Musik.

Noch ganz berauscht von der halbstündigen Zeremonie, nach der wir alle mit neuer Energie in den Tag starten, machen wir uns auf den Weg, Jaipur und das angrenzende Amber zu erkunden. Wir treffen auf einen Sadhu, der uns segnet. Ein Sadhu, der das weltliche Leben völlig aufgegeben hat, asketisch lebt und sich in der vierten und damit letzten Phase des vedischen Ashrama-Systems befindet, ist ein Sannyasin, ein „Entsagender“.

Wir besichtigen den reich geschmückten Stadtpalast mit seinen Säulengängen. Der Palast mit Gärten, Höfen und Museen wird zum Teil noch immer von der königlichen Familie bewohnt.

Begegnung mit Santosh, dem Yogameister

 

Der nächste Tag führt uns ins Amber Fort. Zuvor halten wir in der Altstadt von Amber. Der 25.000 Einwohner zählende Ort gehört heute zu Jaipur.

 

Wir treffen Santosh. Reiseführer Sagar und der 44-jährige Yogameister kennen sich gut. Dieser gehört zu einer Brahmanenfamilie, die als Tempelpriester zuständig ist für den 2.500 Jahre alten, unterirdischen, der Göttin Shiva gewidmeten Tempel, mitten in der Altstadt.

Die Rolle von Shiva, so erfahre ich, ist doppeldeutig. Auf der einen Seite gilt er als bösartig und schrecklich, auf der anderen Seite als verheißungsvoll und wohltätig. Damit wird auch reflektiert, dass die Zerstörung des bisherigen Zustands zugleich der Beginn von etwas Neuem darstellt.

 

 

 

 

 

Santosh lädt uns ein auf einen Kaffee. Und erzählt - in bestem Deutsch -, wie der Tempel im 13. Jahrhundert entdeckt wurde. Ein Maharadscha hatte einen Traum. Er träumte, eine Kuh hätte genau an dieser Stelle Milch gegeben und ihm kam in den Sinn: Hier muss ein alter Shiva-Tempel gewesen sein. Und so war es dann auch...

 

 

Das Leben ist ein Geschenk

 

Santosh, der seit 2007 sechs Monate im Jahr in Freiburg Hatha-Yoga im Einzel­ und Gruppenunterricht lehrt, erzählt uns von seiner Lebensphilosophie, die da heißt: "Das Leben ist ein Geschenk!“ „Das möchte ich den Menschen über das Yoga bewusst machen.“ Yoga sei für ihn ein Weg, durch Übungen inneren Frieden zu finden und im Alltag Bewusstheit, Selbsterkenntnis und Ausgeglichenheit zu erlangen. Sechs Kilometer von Amber entfernt baut der Yogameister derzeit seine eigenen Yogaschule auf.

 

Eindrucksvoll: der Besuch in Amber und Amber Fort.

Der Tag endet mit einem Besuch in Dera Amer. Ein Paradies für Elefanten, die nach anstrengenden Jahren in Zirkussen oder Elefantenreitparks hier ihren Lebensabend verbringen dürfen. Vorsichtig darf ich die rund 40 Jahre alte Elefantendame Laxmi füttern. Gemeinsam mit dem Hausherrn Udaijit Singh genießen wir ein hausgemachtes Abendessen.

 

 

Er erzählt uns von der Philosophie seines Projekts. Gäste sind jederzeit willkommen. Exklusive Lodges laden zum mehrtägigen Verweilen ein. Für uns geht es am späten Abend zurück nach Jaipur. Erschöpft, aber glücklich falle ich ins Bett.

 


Die Kuh ist heilig in Indien

Indien: ein Land zwischen Tradition und Fortschritt.

Gott ist in allem, sagen die überzeugten Hindus, auch in der Kreatur. Die Kuh ist die Mutter von Millionen indischen Menschen. Der Mutterkult um die Kuh geht auf die vedische Ära zurück. Die Wurzel liegt in der Zeit der Einwanderung der Indoarier, die als Hirtennomaden ins Land kamen. Zum Alltag der Arier gehörten Opferrituale, bei denen neben der eigentlichen Opferung heilige Verse rezitiert wurden. Den formalen Ablauf des Opferrituals bestimmten die Brahmanen-Priester; die Opfergaben, hauptsächlich geschmolzene Kuhmilchbutter werden von der Bevölkerung dargebracht. Der Hinduismus räumt diesem nützlichen Haustier eine Sonderstellung ein. In den alten Schriften wird sie als "Erfüllerin aller Wünsche" (Kamadhenu) gepriesen.

 

Diese Religion verlangte auch von den Menschen, einem Brahmanen eine Kuh zu schenken (Godan), damit dieser sie anbeten und dadurch die Götter wohlwollend stimmen konnte. Bei einer Beerdigung der Hindus ist das Geschenk einer Kuh unabdingbar, um die Erfüllung der Rituale zu garantieren. In der Mythologie hat die Kuh ihre Heiligkeit dem Gott Krishna zu verdanken. Nach seiner Geburt wurde Krishna zum Schutz vor einer drohenden Ermordung in die Obhut einer Hirtenfamilie gegeben und verbrachte als Hirtenjunge viel Zeit mit den Tieren.

 

Mit der Hirtenfamilie, den Milchmädchen (Gopis) und den Kühen wuchs er auf und wurde von ihnen ernährt. Dadurch erreichte die Kuh den Status einer Mutter, die es zu verehren gilt. Niemand darf sie behindern, sie wird verehrt, ohne angebetet zu werden, sie gilt als heilig und darf nicht geschlachtet werden. Wer einer Kuh das Leben nimmt, hat nach hinduistischem Glauben einen Mord begangen. Die Kuh zu ehren und zu achten, bis zum letzten Tag zu pflegen und Altersheime einzurichten, gilt als verdienstvoll für das nächste Leben. Quelle: www.rajasthan-indien-reise.de

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