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Drei, zwei, eins, Trance - ein Hypnose-Selbstversuch

Bei Hypnosecoach Paul Philipp Altmann wagte ich einen Selbstversuch.

Fotos: Alexander Sulanke / HA

Festen Blickes fixiere ich den Zeigefinger des Hypnotiseurs, bis meine Oberlider müde flackern. Dieser fordert mich nun auf, die Augen zu schließen, lädt mich ein zu geistiger Entspannung. Beim Herunterzählen auf eins kippt mein Kopf langsam nach vorn. Ich bin entspannt. Tiefenentspannt - bei wachem Bewusstsein - so sitze ich auf meinem Stuhl. Die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln. Ich fühle mich leicht. Ruhe in mir. Mein Atem ist gleichmäßig. Und es ist für mich das Normalste der Welt, mit meinem Gegenüber, einem bis vor kurzem noch wildfremden Menschen, über meine innersten Gefühle und Herausforderungen zu sprechen.

 

So bin ich als Hypnotisand schon mittendrin in meinem Selbstversuch mit Hypnosefachdozent Paul Philipp Altmann an der Volkshochschule Quickborn. Hier wird der 25-Jährige am 19. und 20. Oktober 2019 wieder Interessierten die Grundlagen der Hypnose vermitteln und sie zu Hypnosecoaches ausbilden. So dass sie anschließend in der Lage sind, andere Menschen mit verschiedenen Hypnosetechniken im Rahmen einer Hypnosesitzung zu betreuen. Sie lernen dabei den kompletten Ablauf kennen - mit Vorgespräch, Vortest und gezielter Trance, mit Herausführen aus der Hypnose, Nachgespräch und auf Wunsch auch einer Selbsthypnose.

 

Die Hypnose ist fast 4.000 Jahre alt

 

Die Hypnose ( abgeleitet vom griechischen ”hypnos” , Schlaf) ist fast 4.000 Jahre alt. Bereits in frühesten Kulturen war die gezielte Veränderung vom Bewusstseins- in den Trancezustand fester Bestandteil in Heilritualen. „Sie ist ein toller Begleiter und eine echte Lebenshilfe für jede Lebenssituation“, sagt Paul Philipp Altmann. Wichtig sei jedoch die innere Bereitschaft, Ja zu sagen zur Hypnose. Sprich, sich zu öffnen und fallenzulassen.

 

Um dann in einer oder mehreren Sitzungen seine ganz persönlichen Themen anzugehen: Sei es, Blockaden oder Ängste zu lösen, mit dem Rauchen aufzuhören oder an seinem Selbstwert und Selbstbewusstsein zu arbeiten. Mit der Hypnose, so Altmann, wird ein Zustand geschaffen, in dem sich der Hypnotisand komplett auf sein Inneres konzentrieren kann - in einer tiefen, angenehmen Ruhe. „Zu Beginn meiner Workshops merke ich sehr schnell, ob ein Mensch leicht hypnotisierbar ist.“ Das zeige sich hauptsächlich daran, ob er Suggestionen annehme. Scheint bei mir ja geklappt zu haben. Ich fühle mich herrlich leicht, wie in einem Cocon. Mit gezielten Fragen auf mein benanntes Thema führt mich der Hypnotiseur durch die nächsten 50 Minuten. Bilder tauchen auf, über die wir sprechen und versuchen, sie zu interpretieren. Ich bin ein visueller Typ und auf die Frage: ‚Was siehst du gerade?’ schnell in der Lage, während der Hypnose innere Bilder zu entwickeln. Das unterscheidet mich von auditiven bzw. kinästhetischen Menschen, die von Gehör bzw. Gefühl geprägt sind.

 

Genau das gilt es bei jedem Hypnotisanden herauszufinden, um weiter zu schauen, auf welche Art und Weise er in Hypnose versetzt werden kann. In der Grundausbildung Hypnose erlernen die Teilnehmer zunächst vier Varianten, von denen sie für den Anfang eine oder zwei als ihre Favorisierten nutzen. Mit dem Ziel, sich mit diesen vertraut zu machen und sie gut zu beherrschen. „Wenn das erst einmal nach viel Übung der Fall ist, können natürlich noch mehrere Varianten gelernt werden“, sagt der Hypnosefachdozent. Die beliebteste sei die mit mir praktizierte Blickfixation. Das alles wird dann am zweiten Tag in gegenseitigen Sitzungen von 60 bis 90 Minuten geübt.

 

Mehr als zwei Dutzend Hypnosecoaches hat der angehende Heilpraktiker an der Volkshochschule Quickborn bereits ausgebildet. Sein Interesse für die Hypnose entdeckte Altmann, im Hauptberuf Polizeibeamter, über einen Fernsehbeitrag. Bei dem Hamburger Arzt und Hypnosetherapeuten Floris Weber absolvierte er 2015 daraufhin zunächst die Grundausbildung. „Nachdem ich viel probierte und am Ball bleiben wollte, hat es mich im selben Jahr noch hin zur Fortbildung für aufdeckende Hypnose/Hypnoanalyse (fortgeschrittener Hypnotiseur) gezogen", sagt er, der bis heute Hypnotisanden in rund 250 Hypnosesitzungen in Trance versetzt und gecoacht hat.

 

Jeder Mensch ist alle

45 bis 90 Minuten in Trance

 

Trancezustände seien nichts Außergewöhnliches, so der Hypnoseverband Deutschland e.V. Ganz natürlich Zustände, die bei jedem Menschen mehrfach am Tag entstehen, zum Beispiel, wenn man einen Roman liest und innere Bilder auftauchen oder längere Strecken Autobahn fährt. .Die Kombination von Konzentration und Monotonie lasse, so die Experten, ganz natürlich solche Trancen entstehen. Es sei nachgewiesen, dass jeder Mensch alle 45 bis 90 Minuten in einen leichten Trancezustand gehe. Diese ganz natürliche Fähigkeit nutze der Hypnotiseur, um die innere Aufmerksamkeit zu aktivieren.

 

Meine 50-minütige Körper- und Seelenreise neigt sich dem Ende zu. Paul Philipp Altmann zählt bis drei, schnippt mit den Fingern und holt mich so wieder zurück aus der Hypnose. Ich öffne die Augen, hebe den Kopf und strecke mich. Es geht mir gut. Auf dem Weg nach Hause und noch Stunden später lasse ich die Inhalte unseres Gesprächs Revue passieren. Stunden, geprägt von Reflexion und einem anhaltenden Entspannungsgefühl. Ich spüre: Meine erste Begegnung mit der Hypnose fanden sowohl Herz als auch Hirn nachhaltig gut. Will heißen: Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

 

Anmeldung zum Kompaktlehrgang unter www.vhs-quickborn.de; info@vhs-quickborn.de.

 

Informationen zum Hypnosefachdozenten Paul Philipp Altmann unter: https://www.der-hypnosecoach.info/

 

Allgemeine Informationen zum Thema Hypnose: www.hypnose-verband.de

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hi Bianca (Mittwoch, 19 Juni 2019 19:18)

    Wie spannend beneide dich richtig das einmal probiert zu haben. Was mich wundert dass du die ganze Zeit wach warst und dich an alles erinnern kannst. Dachte immer dass die Erinnerung weg ist. Toll meine liebe.
    Grüsse und bis bald uschi