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Namaste! Meine Auszeit in Indien!

23. April, 02.30 Uhr:

„Your first time in India?“ - fragt mich der Guide am Airport von Dehli. Nein, mein zweites Mal. „Danke, dass Sie mein Land wieder besuchen“, sagt er voller Wertschätzung. Worte, die mich berühren und mir ein erstes Gefühl geben für das, was mich in den kommenden Tagen erwarten wird: warmherzige und respektvolle Gastfreundschaft. Neun Tage lang war ich im Norden Indiens unterwegs. In Delhi, Agra und in Jaipur.

 

24. April:

Die Nacht im The Claridges Hotel, gelegen im ruhigen und sehr grünen Regierungsviertel der 26-Millionen-Einwohner Stadt, war kurz. Frühstück um 9.00 Uhr. Treffen mit Guide Gagan und Fahrer Denish um 10 Uhr. Auf dem Weg zu Jama Masjid, einer der größten indischen Moscheen, erbaut Mitte des 17. Jahrhunderts, erzählt mir Gagan von seiner Leidenschaft für seine Geburtsstadt. „Sie ist so wie wir: Konservativ und fortschrittlich“, sagt der 38-Jährige. „Wir leben ein modernes Leben und folgen unseren Traditionen.“ Dazu gehöre auch immer noch das Einkaufen auf dem Bazar, wie dem Kinari Bazaar mit seinem glitzernden (Hochzeits)Schmuck oder dem Gewürzmarkt Khari Baoli.

 

Hier war Gagan als Kind schon mit seinen Eltern. Hierhin kommt er auch heute noch immer wieder gern. „Ein gut gemanagtes Chaos“, sagt er, der einige Jahre in London gelebt hat, in exzellentem Englisch. Nach dem Moscheebesuch streifen wir durch die Straßen. Die sind gesäumt von bis zu 300 Jahre alten Häusern, in den Familien bereits in der 6. Generation ihren Handel treiben. „Hier geht man nicht hin, um hektisch einzukaufen, sondern zu schlendern, zu schauen, zu kommunizieren. Das ist ein Platz, um Gemeinschaft zu leben,“ sagt Gagan. Ich probiere in einem Straßenimbiss „Kachori“, feine Teigbällchen mit Linsenfüllung und scharfem Dip. Köstlich!

Danach ein Abstecher bei Anshu Kumar in seinem mehr als 100 Jahre alten Gewürzladen. Ihn empfahl die New York Times vor einigen Jahren als Geheimtipp. Seitdem ist er keiner mehr. Viele Touristen pilgern zu dem 40-Jährigen Unternehmer, der weltweit mit Gewürzen und Tee handelt und gern Spitzenköchen bei der Veredelung neuen Speisen zur Seite steht. Anshu lädt mich ein auf einen Chai, bevor ich mich mit Guide Gagan in die Rikscha schwinge, um  entspannt das Treiben in den Gassen zu erleben.

Ankunft im Bangla Sahib Gurdwara, dem Tempel der Sikh Anhänger. Im Empfangsraum für ausländische Besucher lege ich meine Schuhe ab und ein Kopftuch um. Im Zentrum der Verehrung, so erfahre ich, steht der Grant Sihb, das heilige Buch der Religion. Es vereinigt Elemente aus Islam und Hinduismus in sich. Hier wird gesungen und gebetet. Weltweit folgen etwa 25 Millionen Menschen dem Sikhismus. Rund 80 Prozent von ihnen leben in Indien.

 

Sie glauben an eine Wiedergeburt und an das Prinzip von Ursache und Wirkung. Damit wirkt sich für die Sikhs jede Tat, jeder Gedanke in dieser oder in einer der nächsten Existenzen aus. Der Sikhismus betont die Gleichstellung von Mann und Frau und die Toleranz gegenüber anderen Religionen. Und immer wieder: die Notwendigkeit des unermüdlichen Strebens nach spiritueller Entwicklung, um den Kern des Göttlichen in sich selbst und anderen zu erfahren.

 

Im Tempel wird vom frühen Morgen bis spätabends aus den heiligen Schriften rezitiert. Und hier bereiten Freiwillige in einer Großküche (geöffnet 7 Tage die Woche /24 Stunden) Kost für täglich 35.000 Besucher vor. Ich setze mich auf den Boden und probiere. Das frische Fladenbrot (Roti) tauche ich ein in köstliches, nicht zu scharfes, Linsen- und Erbsenmus. Und wieder habe ich dieses einmalige Geschmackserlebnis. Schnell werfe ich noch eine kleine Spende in die Box und mache der wartenden Gruppe Platz, die nun ihre Speise einnimmt.

 

Am späten Nachmittag kehre ich zurück ins Hotel. Erst nach und nach verarbeite ich meine Eindrücke und gehe früh ins Bett: Good night, incredible India!


"Bei uns ist der Gast ist Gott!"

Im zweiten Teil meines Reiseberichtes aus Nordindien geht es unter anderem um Kunst, Kreuzkümmel und das Kastensystem im Hinduismus.

25. April 2019

Heute begleitet mich Kisha durch den Tag. Mit der Archäologin und Forscherin an der Mahira Foundation geht es zunächst zum India Gate nach Neu-Delhi. Der 42 Meter hohe Bogen, 1921 von Sir Edwin Lutyens nach dem Vorbild des Arc de Triomphe in Paris entworfen, soll an die Soldaten erinnern, die im Ersten Weltkrieg für das Britische Empire starben. Ein Anziehungspunkt für viele Inder, hier zu verweilen und auf den umliegenden Grünflächen Zeit miteinander zu verbringen.

 

 

„Auch ich komme gern hierher“, sagt Kisha. „Es ist so friedlich hier.“ Die 29-Jährige ist eine selbstbewusste und engagierte junge Frau. Während des Studiums nahm sie an einem archäologischen Forschungsprojekt in Japan, Sri Lanka und Thailand teil. „Ich habe dort viele Freunde gewonnen“, erzählt die Tochter einer Lehrerin und eines Polizistin, die seit rund zweieinhalb Jahren mit einem IBM Fachmann verheiratet ist. Mit 800 Gästen hätten sie damals gefeiert, erzählt Kisha. Die Hochzeit haben traditionsgemäß die Eltern der Braut bezahlt. Die Familie zählt im indischen Kastensystem zu den Brahmanen, der obersten der vier Kasten im Hinduismus.

 

 

 

In der National Gallery of Modern Art schauen wir uns eine temporäre Ausstellung über Mahatma Gandhi an. Der Salzmarsch 1930 war die spektakulärste Kampagne gegen das Salzmonopol der Briten, die Gandhi während seines Kampfes um Unabhängigkeit initiierte. Die Unabhängigkeitsbewegung führte mit gewaltfreiem Widerstand, zivilem Ungehorsam und Hungerstreik 1947 das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien herbei. Ein halbes Jahr danach fiel Gandhi einem Attentat zum Opfer.

 

 

Im Museumscafé gönnen wir uns noch ein „Samosa“, ein dreieckiges, mit Gemüsecurry gefülltes Pastetchen, und ein Glas Masala Chas. Ein erfrischendes, Buttermilchgetränk, leicht gewürzt. Unter anderem mit dem schmackhaften Kreuzkümmel, ein altes indisches Gewürz, das sich wiederfindet in vielen Gerichten und Getränke –nicht nur wegen seines köstlichen Aromas, sondern auch wegen seiner vielfältigen Heilwirkungen.

Ein Tag voller spannender Eindrücke geht zu Ende. Kisha und ich verabschieden uns. „Wenn du das nächste Mal nach Indien kommst, bist du mein Gast“, sagt sie und umarmt mich herzlich. „Ich werde alles tun, damit du dich wohlfühlst. Denn bei uns ist der Gast Gott.“


Das indische Kastensystem

Er zählt zu den "Unberührbaren": Ram Nath Kovind. Mit ihm wurde zum zweiten Mal in der indischen Geschichte ein Angehöriger der untersten Stufe des Kastenwesens zum Staatspräsidenten gewählt. Wir besichtigen seinen Amtssitz The Rashtrapati Bhavan vis à vis des Indian Gate und ebenfalls von Sir Edwin Lutyens entworfen.

 

Die eng mit dem hinduistischem Glauben verbundene Kultur Indiens hat vier (Haupt-) Kasten zum Ursprung, die auch in der heutigen Gesellschaft noch eine Art soziale Hierarchie oder das Familiengeschlecht kennzeichnen. Aus dem Sanskrit überliefert, reichen die Wurzeln des Kastensystems bis etwa 1.500 v. Christus zurück, als arische Volksstämme das Industal bevölkerten und bestimmte Regeln einführten, insbesondere um sich von den Eingeborenen abzugrenzen.

 

Diese Hierarchie wurde und wird noch heute von Generation zu Generation weitergegeben und kann im Laufe eines Lebens nicht verändert werden. Da das Kastensystem Teil der hinduistischen Religion ist, ist eine oft vom Westen erwünschte Veränderung kaum vorstellbar.

 

Man unterscheidet im Groben vier Kasten, die sog. Hauptkasten:

• die Brahmanen: Priester, Richter,

• die Kshatriyas: Soldaten, Administratoren, Fürsten,

• die Vaishyas: Handwerker, Kaufleute, Farmer und

• die Sudras: Bedienstete, Diener, etc.

 

Nicht hinzugehörig zu den eigentlichen Kasten sind die sog. „Unberührbaren“, also die kastenlosen Menschen. Sie haben nach dem hinduistischen Glauben nicht das Recht, einer Kaste anzugehören, da sie aufgrund ihres Karmas (Gesamtheit der guten und schlechten Taten des vergangenen Lebens) in diese Kaste hineingeboren wurden. Man nennt sie daher Unberührbare, im Englischen „untouchables“. Der Name rührt daher, dass man befürchtete, sich Krankheiten oder anderes Unglück zuzuziehen, wenn man sie berührt.

 

Jeder Inder ist von Geburt an einer Kaste zugeordnet, d.h. er wird in die Kaste der Familie geboren und bleibt dort ein Leben lang. Nur die Art und Weise der Gestaltung des Lebens kann darüber entscheiden, ob man bei einer Wiedergeburt in eine höhere Kaste aufsteigt. Hochzeiten zwischen den Kasten bereiten häufig nicht nur große Probleme, sondern sind bisweilen auch unvorstellbar. Gute Taten in diesem Leben können aber nach dem Glauben der hinduistischen Gesellschaft dazu führen, dass man im nächsten Leben in eine höhere Kaste aufsteigt.

 

Wenn heute in der Geschäftswelt Indiens die Kasten auch eine geringere Rolle spielen, als noch vor einigen Jahrzehnten, so sind sie doch in den meisten Teilen Indiens immer noch ein bedeutender Bestandteil des täglichen Lebens. Das gilt insbesondere für das Land. In den Städten hingegen gilt es zwar ebenfalls, gut bezahlte Berufe und der Einfluss des Westens lockern aber die Wahrnehmung und Bedeutung der Kastensysteme in einigen Lebensbereichen bereits auf.

 

Offiziell wurde das Kastensystem im Jahr 1949 abgeschafft, es gehört wegen der Bedeutung der hinduistischen Religion für Gläubige immer noch zum täglichen Alltag und sitzt tief verwurzelt im Selbstverständnis der Gläubigen. Quelle: www.indi-guide.de


Taj Mahal: Zu Gast im Liebes-Palast

Im dritten Teil meiner Reise führt es mich mit dem Zug von Delhi nach Agra. Das Highlight: mein frühmorgendlicher Besuch am Taj Mahal.

26. April 2019, 6.00 Uhr

Um 4.30 Uhr ist die Nacht rum. Der Mitarbeiter der lokalen Reiseagentur bringt mich um 5.00 Uhr zum Bahnhof von Delhi. Und da ist die Hölle los. Hupende Autos, Rikschas, Menschengewimmel - ich bin leicht überfordert. Doch alles scheint seine Struktur zu haben. Koffer und ich müssen durch die Kontrolle, der Zug ist pünktlich, der Sitzplatz für die Fahrt nach Agra reserviert. Freundlich und zurückhaltend bringt uns ein junger Inder Kaffee, Cornflakes mit heißer Milch und ein herzhaftes Omelett an den Platz.

 

Wir, das sind Naina und ich. Naina ist um die 60. Ihr edles Gesicht umhüllt dickes schwarzes Haar. Sie trägt einen Sari aus Chiffon. Ihr Sohn hat sie zum Zug gebracht. Wir kommen ins Gespräch. Einen Monat hat sie bei ihm und ihrer Schwiegertochter verbracht, um der jungen Familie nach der Geburt des Enkelkindes zur Seite zu stehen. Die Familie geht Naina über alles: „Darin fühle ich mich als älterer Mensch einfach sicher“, sagt sie und lächelt mich an.

Ich schaue aus dem Fenster. Der Zug rollt zügig. Vorbei an Slumwohnungen, an Müllhalden, in denen sich Hunde, Ziegen, Kühe und sogar Wildschweine aufhalten. Zwei Drittel der rund 1,3 Mrd. Inder leben in Armut: 68,8 Prozent der indischen Bevölkerung müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Mehr als 30 Prozent haben sogar weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung – sie gelten als extrem arm. Damit zählt der indische Subkontinent zu den ärmsten Ländern der Erde.

 

Was Naina dazu sagt, möchte ich wissen. Das es schon besser geworden sei. Dank Premierminister Narendra Modi. Er habe dafür gesorgt, dass Häuser gebaut, Elektrizität zur Verfügung gestellt werde. Er wurde gerade in diesen Tagen mit großer Mehrheit wiedergewählt.

 

Nach zwei Stunden Zugfahrt bin ich in Agra angekommen. Einchecken im Hotel ITC Mughal. „Fühlen Sie sich einfach wie zuhause“, begrüßt mich Raj, der Hotelbutler und bringt mir später Obst, frischen Kuchen und Obst aufs Zimmer.

 

Nach einer kurzen Erfrischung geht’s mit meinem heutigen Guide Sheela auf ins Fort Ambra. Auf dem Weg dahin möchte ich mehr über die Frau mit dem Charaktergesicht und der starken Stimme wissen. Und dann erzählt die 35-Jährige. Dass sie nach dem Englisch- und Geschichtsstudium eigentlich zur Armee wollte, um es ihrem in Agra stationierten Vater gleichzutun. Dann verliebte sie sich in einen Mann, den sie sich zuvor selbst ausgesucht hatte. Ihm zuliebe gab sie diese Pläne auf, heiratete ihn, bekam zwei Kinder, heute zehn und vier Jahre alt, und arbeitet mit Verstand, Herz und Seele als Reiseführerin. Unterstützt vom Mann und der Familie. Heute sagt sie: „Mein Mann war mein Schicksal. Ich bin so glücklich und genieße das Leben - beruflich und privat. Ich bin stolz, eine Frau zu sein.“

 

„A tear on the face of eternity“ - so wird das Taj Mahal im Reiseführer beschrieben. Sheela nimmt mich mit auf die andere Seite des Flusses Yamuna. Von dort aus haben wir einen fulminanten Blick auf das Mausoleum, das immer freitags geschlossen hat. So setzen wir uns entspannt auf die Wiese des Mahtab Bagh, des Moonlight Gardens, und genießen zunächst den Blick aus der Ferne auf das rund 60 Meter Meter hohe Mausoleum. Der Großmogul Shah Jahan ließ den Bau zum Gedenken an seine im Jahre 1630 mit Geburt des 14. Kindes verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal (Perle des Palastes) erbauen.

 

Eine Großfamilie aus Südindien kommt auf Sheela und mich zu. Alle möchten ein Foto mit der blonden Frau. Ich posiere fröhlich mit Großeltern, Eltern, Geschwistern und Enkelkindern. Für vier Tage ist die Familie hier in Agra. Dem Großvater gehe es gesundheitlich nicht gut und sein großer Wunsch war es, einmal das Taj Mahal sehen.

27. April, 5.20 Uhr.

Sonnenaufgang über dem Taj Mahal. Noch ist es ruhig, als mein Guide Sheela und ich die Kontrolle passieren. Und dann liegt es vor uns: Taj Mahal, das vermutlich bekannteste Bauwerk Indiens - es gilt als das schönste der sieben Weltwunder unserer Zeit. Tränen rollen über mein Gesicht. Ich bin mehr als berührt und setze mich auf die Bank, auf der schon die 1997 verstorbene Prinzessin Diana am 11. Februar 1992 ganz allein saß. Es ist (noch) still. Ein professioneller Fotograf macht einige Aufnahmen von mir vor dem Taj Mahal (Krone des Palastes)  - sie werden mich immer an diesen einmaligen Moment erinnern.

Denn: Kein Bauwerk weltweit verbreitet das Flair aus 1.001 Nacht so eindrucksvoll wie das Taj Mahal. Als schönster Prachtbau muslimischer Architektur in Indien bekannt, wurde es zwischen 1631 und 1648 errichtet. Auf Initiative des fünften Großmoguls Shah Jahan der das Grabmal in Erinnerung an seine Frau schuf. Auf ihrem Totenbett, während der Geburt ihres 14. Kindes und dem Tode nahe, wünschte sich die Persische Prinzessin Arjuman Bano Begum ein Grabmal, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Shah Jahan selbst verbrachte seine letzten acht Lebensjahre als Gefangener seines machthungrigen Sohnes Aurangzeb in Agra, mit Blick auf das Taj Mahal. Seine älteste Tochter Jahanara, die seit dem Tod ihrer Mutter die Aufgaben der ersten Dame bei Hofe erfüllt hatte, pflegte ihn aufopfernd. Nach seinem Tod im Jahr 1666 wurde der Großmogul an der Seite seiner verstorbenen Lieblingsfrau Mumtaz Mahal beigesetzt.

 

Weiter geht’s zum Itimad-ud-Daula-Mausoleum. Es wurde in den Jahren zwischen 1622 und 1628 von Nur Jahan, der Hauptfrau des Mogulherrschers Jahangir, für ihren Vater Mirza Ghiyas Beg errichtet. Das Prachtstück der Mogularchitektur gilt als Vorläufer des Taj Mahal und wird deshalb im Volksmund auch „Baby -Taj“ genannt.

 

Sheela und ich verabschieden uns am Nachmittag, nehmen uns herzlich in die Arme. Sie willigt ein Und versprechen uns: „Wir sehen uns wieder.“ Eine tolle Frau, mutig und stark.

 

 

 

 

 

Am Abend mache ich mich noch einmal auf mit Amit zu einer Foodtour durch Agra. Ich probiere u.a. Chole Bhatura. Dieses Punjabi-Gericht ist eine Kombination aus würzigen weißen Kichererbsen und einem gebratenen Brot aus Weichweizen, begleitet von z.B. Zwiebeln, Möhren, Gurken und grünem Chutney. Ein Tag voller kultureller, emotionaler und kulinarischer Highlights geht zu Ende. Good Night, incredible India!


Namaste in Rajasthan!

28. bis 30. April: Die letzte Etappe meiner Reise führt nach Rajasthan - in die Städte Jaipur und Amber Fort.

 

Heller Sonnenhut, lockeres Baumwollhemd, lässige Chinohose und ein gewinnendes Lächeln: Sagar Saxena ist ein Sympathieträger. Beschwingt kommt er in Abhaneri - das liegt auf halber Strecke zwischen Agra und Jaipur - auf mich zu und wird die nächsten drei Tage an meiner Seite bleiben. Der 35-Jährige stellt sich zunächst auf Englisch vor. „Wir können auch deutsch sprechen“, sagt er, der eineinhalb Jahre in München gelebt und gearbeitet hat, nach einigen Minuten und lächelt verschmitzt. Und erklärt mir bei 40 Grad im Schatten entspannt und cool die Geschichte des Stufenbrunnens Chand Baori und des in unmittelbarer Nähe befindlichen Harshat Mata-Tempels aus dem 7. / 8. Jahrhundert.

 

Auf dem Weg zur Autobahn Richtung Jaipur bitte ich um einen Stopp. Gern möchte ich einige Eindrücke vom Landleben mit der Kamera festhalten. Sagar macht es möglich. Steigt aus dem Auto, geht auf den Hof der Familie und fragt das Oberhaupt, einen Herrn mit Schnurrbart, freundlich danach. Der nickt und schnell kommen aus den umliegenden Häusern Frauen und Kinder gelaufen. Ein kleines Mädchen kuschelt sich vertrauensvoll an mich. Diese Geste berührt mich sehr. Der älteste Sohn fragt auf Englisch, woher ich komme. Alle sind ganz aufgeregt. Ich bin es auch: Denn ich darf mich umschauen und auch einen Blick hinter die Mauern der bunt bemalten Häuser werfen.

 

In die Küche, sogar in das Schlafzimmer, in den kleinen Wohnraum - und immer sind Kinder und Jugendliche um mich herum. Mit so wunderbaren offenen, freundlichen und wunderschönen Gesichtern. Der älteste Sohn bietet uns ein Glas Wasser an. Bevor wir uns verabschieden, dürfen wir noch einen Blick in den Stall werfen. Vier Kühe und Bullen gehören zum Haushalt der Familie. Alle winken uns fröhlich nach, als wir weiterrollen. Für mich eine der berührendsten Begegnungen auf meiner Reise.

Am Abend kommen wir in Jaipur an. Jaipur ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Rajasthan und voller Zeugnisse der königlichen Familie. Sie regierte einst die Region und gründete 1727 die heutige Altstadt oder "Pink City", wie Jaipur wegen der Farbe seiner wichtigsten Bauten genannt wird.

 

Am frühen Morgen holen mich Fahrer Denish und mein Reiseführer Sagar aus meinem so gemütlichen Boutiquehotel Jobner Bagh ab. Wir wollen heute eine Hare-Krishna-Tempel-Zeremonie besuchen. Vorher kaufen wir noch eine florale Spende auf dem üppigen Blumenmarkt. Als Tempelneuling genieße ich die wohlige Atmosphäre der kommenden 30 Minuten und spüre ein echtes Glücksgefühl beim gemeinsamen Mantra-Singen.

 

Krishna ist eine der populärsten Gottheiten im Hinduismus. Das Wort, so lese ich nach, bedeutet auf Sanskrit dunkel und symbolisiert das höchste Bewusstsein. Traditionsgemäß wird Krishna mit blauer Hautfarbe und gelber Kleidung dargestellt. Die gelbe Farbe steht für die Unendlichkeit. Sie ist die Farbe der Erde. Krishna zog die Welt in seinen Bann mit seiner bezaubernden, seelenberührenden göttlichen Musik.

 

Noch ganz berauscht von der halbstündigen Zeremonie, nach der wir alle mit neuer Energie in den Tag starten, machen wir uns auf den Weg, Jaipur und das angrenzende Amber zu erkunden. Wir treffen auf einen Sadhu, der uns segnet. Ein Sadhu, der das weltliche Leben völlig aufgegeben hat, asketisch lebt und sich in der vierten und damit letzten Phase des vedischen Ashrama-Systems befindet, ist ein Sannyasin, ein „Entsagender“.

 

Wir besichtigen den reich geschmückten Stadtpalast mit seinen Säulengängen. Der Palast mit Gärten, Höfen und Museen wird zum Teil noch immer von der königlichen Familie bewohnt.

Der nächste Tag führt uns ins Amber Fort. Zuvor halten wir in der Altstadt von Amber. Der 25.000 Einwohner zählende Ort gehört heute zu Jaipur.

 

Wir treffen Santosh. Reiseführer Sagar und der 44-jährige Yogameister kennen sich gut. Dieser gehört zu einer Brahmanenfamilie, die als Tempelpriester zuständig ist für den 2.500 Jahre alten, unterirdischen, der Göttin Shiva gewidmeten Tempel, mitten in der Altstadt.

Die Rolle von Shiva, so erfahre ich, ist doppeldeutig. Auf der einen Seite gilt er als bösartig und schrecklich, auf der anderen Seite als verheißungsvoll und wohltätig. Damit wird auch reflektiert, dass die Zerstörung des bisherigen Zustands zugleich der Beginn von etwas Neuen darstellt.

 

Santosh lädt uns ein auf einen Kaffee. Und erzählt - in bestem Deutsch -, wie der Tempel im 13. Jahrhundert entdeckt wurde. Ein Maharadscha hatte einen Traum. Er träumte, eine Kuh hätte genau an dieser Stelle Milch gegeben und ihm kam in den Sinn: Hier muss ein alter Shiva-Tempel gewesen sein. Und so war es dann auch...

 

Santosh, der seit 2007 sechs Monate im Jahr in Freiburg Hatha-Yoga im Einzel­ und Gruppenunterricht lehrt, erzählt uns von seiner Lebensphilosophie, die da heißt: 'Das Leben ist ein Geschenk!' „Das möchte ich den Menschen über das Yoga bewusst machen.“ Yoga sei für ihn ein Weg, durch Übungen inneren Frieden zu finden und im Alltag Bewusstheit, Selbsterkenntnis und Ausgeglichenheit zu erlangen. Sechs Kilometer von Amber entfernt baut der Yogameister derzeit seine eigenen Yogaschule auf.

 

Wir verabschieden uns, um nun die im 16. und 17. Jahrhundert entstandene Festungsanlage Fort Amber zu besichtigen. Herzstück ist der Fürstenpalast der Kachchwaha-Dynastie. Als besonders sehenswert gilt der Spiegelsaal, dessen Inneres mit einer Vielzahl von kleinen Spiegeln dekoriert ist. Die Wände und Pfeiler des Palastes sind vollständig mit weißen Marmorplatten verkleidet; die Säulen sind aus massivem Marmor.

 

Der Tag endet mit einem Besuch in Dera Amer. Ein Paradies für Elefanten, die nach anstrengenden Jahren in Zirkussen oder Elefantenreitparks hier ihren Lebensabend verbringen dürfen. Vorsichtig darf ich die rund 40 Jahre alte Elefantendame Laxmi füttern.

Gemeinsam mit dem Hausherrn Udaijit Singh genießen wir ein hausgemachtes Abendessen. Er erzählt uns von der Philosophie seines Projekts. Gäste sind jederzeit willkommen. Exklusive Lodges laden zum mehrtägigen Verweilen ein. Für uns geht es am späten Abend zurück nach Jaipur. Und für mich am nächsten Tag von dort aus über Delhi wieder nach Hause - nach Hamburg!


Die Kuh ist heilig in Indien

 

Gott ist in allem, sagen die überzeugten Hindus, auch in der Kreatur. Die Kuh ist die Mutter von Millionen indischen Menschen. Der Mutterkult um die Kuh geht auf die vedische Ära zurück. Die Wurzel liegt in der Zeit der Einwanderung der Indoarier, die als Hirtennomaden ins Land kamen. Zum Alltag der Arier gehörten Opferrituale, bei denen neben der eigentlichen Opferung heilige Verse rezitiert wurden. Den formalen Ablauf des Opferrituals bestimmten die Brahmanen-Priester; die Opfergaben, hauptsächlich geschmolzene Kuhmilchbutter werden von der Bevölkerung dargebracht. Der Hinduismus räumt diesem nützlichen Haustier eine Sonderstellung ein. In den alten Schriften wird sie als "Erfüllerin aller Wünsche" (Kamadhenu) gepriesen.

 

Diese Religion verlangte auch von den Menschen, einem Brahmanen eine Kuh zu schenken (Godan), damit dieser sie anbeten und dadurch die Götter wohlwollend stimmen konnte. Bei einer Beerdigung der Hindus ist das Geschenk einer Kuh unabdingbar, um die Erfüllung der Rituale zu garantieren. In der Mythologie hat die Kuh ihre Heiligkeit dem Gott Krishna zu verdanken. Nach seiner Geburt wurde Krishna zum Schutz vor einer drohenden Ermordung in die Obhut einer Hirtenfamilie gegeben und verbrachte als Hirtenjunge viel Zeit mit den Tieren.

 

Mit der Hirtenfamilie, den Milchmädchen (Gopis) und den Kühen wuchs er auf und wurde von ihnen ernährt. Dadurch erreichte die Kuh den Status einer Mutter, die es zu verehren gilt. Niemand darf sie behindern, sie wird verehrt, ohne angebetet zu werden, sie gilt als heilig und darf nicht geschlachtet werden. Wer einer Kuh das Leben nimmt, hat nach hinduistischem Glauben einen Mord begangen. Die Kuh zu ehren und zu achten, bis zum letzten Tag zu pflegen und Altersheime einzurichten, gilt als verdienstvoll für das nächste Leben. Quelle: www.rajasthan-indien-reise.de

 

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