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Carlo von Tiedemann: "Den Sinn des Lebens bekommst du durch deine Kinder!"

Den 75-jährigen NDR-Kultmoderator, vierfachen Vater und Großvater eines Mädchens traf ich im März mit Fotografin Ann-Christine Krings im Café Funk-Eck vis-à-vis des Senders an der Hamburger Rothenbaumchaussee.

 

Carlo, was geben dir deine vier Kinder Theresa, Lisa, Nikolas und Viktoria?

Kinder geben mir als Vater so viel Glück, wie es mir kein anderer Mensch geben kann. Du bekommst eigentlich den Sinn des Lebens durch deine Kinder. Denn du hast dein Leben lang Verantwortung für sie, lebst für die und versucht, alles gut und richtig zu machen. Mein Fehler ist: Ich kann nicht loslassen! Das lerne ich auch nicht mehr. Das ist ganz, ganz schwer für mich.

 

Hörst du auf deine Kinder? Wenn ja, hast du ein Beispiel?

Eines Nachts vor zwei Jahren, steht meine jüngste Tochter Viktoria in der Schlafzimmertür, guckt mir in die Augen und sagt: „Papa, alle haben aufgehört zu rauchen, höre bitte auch auf.“ Am nächsten Tag habe ich nicht mehr geraucht. Wie geht das denn? Andere bemühen sich jahrelang. Das ist für mich wirklich ein solches Wunder und ein Geschenk, weil ich eben die Heiligkeit dieses Moments gespürt habe: Meine Tochter, damals 13, machte sich unfassbare Sorgen um ihren rauchenden Papi. Da stand Angst dahinter. Wenn du das merkst, dann kannst du dein Kind nicht anscheißen. Das habe ich Weihnachten vergangenen Jahres noch einmal im Familienkreis thematisiert und sie sagte nur: „Das musstest du auch machen, Papi. Ich habe dich gebeten.“

 

Deine Tochter Theresa hat dich mit der kleinen Frieda zum Großvater gemacht. Was bedeutet dir das?

Opa zu sein ist toll! Das Würmchen ist jetzt im März zwei Jahre alt geworden. Ich genieße es, dass ich das Kind meiner Tochter, meine Enkelin, auf meinen Knien haben kann. Ein unfassbar süßes Kind.

Denkst du an Heimat, dann denkst du an?

Das Gut Bockhorn im Kreis Wankendorf. Wir haben ein Familiengrab dort. Nicht nur die Tiedemanns, auch die Kleists, die Donners und die Bronsarts. Im Mausoleum auf dem Friedhof von Wankendorf liegen meine Eltern. Da werde ich dann auch irgendwann eingekuhlt. Es war der Zufluchtsort meiner Familie, als wir im Krieg aus Pommern vor den Russen fliehen mussten. Ein altes Schloss, das im Familienbesitz der Baronin Donner war, der Schwester meiner Mama. Sie hatte einen Baron Donner geheiratet und der war Schlossherr auf Gut Bockhorn. Das ist für mich verbunden mit einer unfassbar schönen Kindheit. Die haben damals bestimmt 20 Familien aufgenommen. Wir alle lebten in einem Zimmer mit vier, fünf Leuten. Haben die Not aber gar nicht gespürt. Ich hatte 20 bis 30 Kinder zum Spielen. Es gab Pflaumenmus aufs Brot. Als ich sieben war, sind wir dann erst nach Hamburg gezogen. Aber die ersten fünf, sechs Jahre, die prägen. Deswegen ist es für mich jetzt auch so schön in Quickborn zu leben, weil es Land ist. Ich sage jetzt etwas, das ist so schön: Der Himmel ist so weit. Da guckst du Kilometer über Felder und kleine Wäldchen und das berühmte Himmelmoor.

 

Wie lebst du denn dein Familienleben draußen in Quickborn?

Ich habe einen Heiligenschein. Der wird geputzt (lacht). Nein, ganz normal. Wir leben zur Miete in einem Haus. Das ist bezahlbar. Wir wohnten zuvor in einer sehr schönen dreieinhalb Zimmer-Wohnung an der Hamburger Alster. Als Julia mit Viktoria schwanger war, haben wir nach vier Zimmern gesucht. Dieser Sprung zwischen dreieinhalb und vier Zimmern war gleich 1000 Euro teurer. Wir konnten das nicht mehr bezahlen.

 

Wie war das für dich, als älterer Mensch noch Mal Vater geworden zu sein? Und wie gehst du mit dem Älterwerden um?

Als meine Frau und ich uns entschlossen haben, noch mal Eltern zu werden, habe ich gesagt: ab dafür! Ich war 60, als ich zum letzten Mal Papa wurde. Mein Papa ist 101 geworden. Ich habe überhaupt keine Schwierigkeit mit dem Alter, weil ich davon ausgehe, dass ich ein alter Sack werde und mich darauf freue. Die 75 habe ich nicht gefeiert. Ich freue mich jetzt auch schon auf die 80. Da lasse ich die Sau raus. Da wackelt Hamburg.

 

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