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Von Helgoland in die Antarktis - die Fotografin Lilo Tadday ist eine mutige Frau, die berührt.

Fotos: Tadday

Mit ihrem Wesen, ihrem Werdegang und ihren Bildern. In Karlsruhe geboren, lebt die 69-Jährige seit rund 50 Jahren auf der Hochseeinsel Helgoland. Dort habe ich sie in ihrer Galerie besucht.

 

Lilo Tadday, Sie werden Ende Juli 70 Jahre alt. Blicken Sie auf Ihr bisheriges Leben zurück, dann blicken Sie zurück auf die Erkenntnis...,

... dass die Wahl meiner Wahlheimat, den größten Teil meines Lebens auf der kleinen Insel Helgoland und inmitten der Nordsee zu leben, für mich bis zum heutigen Zeitpunkt eine mutige und gute Entscheidung war. Ich habe es bis jetzt nie bereut oder in Frage gestellt. Wenn mich jemand nach unseren langen Wintern fragt, kann ich bis heute sagen, dass mir noch keiner lang genug war.

 

Als Fotografin sind Sie ein Augenmensch. Was macht diesen in Ihren Augen aus?

Ich bin nicht nur Augenmensch, sondern nehme Eindrücke mit allen Sinnen auf. Will ich in der Natur ein Foto machen, dann merke ich zunächst über andere Gefühle: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die Augen allein reichen nicht, damit ein Foto eine Seele bekommt und etwas ausstrahlt. Meine Bilder verkaufen sich ja nur, wenn sie jemanden berühren.

 

Wie schaffen Sie es, Menschen zu berühren?

Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Nach vielen Jahrzehnten der Fotografie kann ich aber immer noch sagen, dass ich ein Foto erst mal für mich mache. Und schaue erst dann, was damit werden könnte. Mein Glück ist die kleine Fotogalerie hier in der Helgoländer Hummerbude. Kommt jemand rein, merke ich über die Beobachtung, ob ihn ein Bild berührt. So erfahre ich oft erst über die Interpretation eines Fremden das Warum.

 

Haben Sie ein Beispiel?

Das Bild von dem Mädchen aus Uganda, das hier gerade auf dem Boden rumsteht, hat bei einer Ausstellung in Ugandas Hauptstadt Kampala den deutschen Botschafter so angerührt, dass er es kaufte. Obwohl er in dem Land schon lange gelebt hat, hat es ihn so fasziniert, dass er es ausgerahmt und signiert haben wollte.

 

Oder eine junge Helgoländerin, die sich drei Bilder für ihre erste eigene Wohnung aussuchte und sagte: „Viele Menschen machen schöne Bilder. Aber deine, die haben irgendwie Seele.“ Das vergesse ich nie, weil sie doch noch sehr jung war und trotz ihres jungen Alters bereits solche Worte fand.

 

Ist Helgoland mit seiner Seele Ihr Kraftort?

Helgoland ist seither ein Kraftort für viele Menschen. Gäbe er mir nicht immer wieder neue Impulse, wäre ich schon lange nicht mehr hier. Und ich bin seit mehr als einem halben Jahrhundert hier. Freiwillig!

 

Was bedeutet die Insel für Sie?

Helgoland ist meine Wahlheimat. Ich bin in Karlsruhe geboren und auf dem Dorf „bullerbümäßig“ großgeworden. Irgendwann hat es mich hierher verschlagen. Das hat mit meinem Vater zu tun. Er ist nach dem Krieg mit dem späteren Bürgermeister der Insel zur See gefahren. So hat man uns süddeutsche Kinder regelmäßig hierhergeholt. Die Bürgermeisterkinder kamen immer mal zu uns. Es war dann die Liebe, die mich hierbleiben ließ...

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