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"Ich habe mein 'Why' gefunden!" - Interview mit Dr. Britta Papay.

Sie war eine der jüngsten promovierten Juristinnen Italiens. Heute arbeitet die 53-Jährige erfolgreich als Systemische Therapeutin und Mediatorin in Hamburg. Dazwischen lag ein langer Weg. Ein Gespräch über kleine Dinge und große Schritte, preußische Ordnung, baltische Zähigkeit und Glücksgefühle am Gardasee.

                                                                                                  Fotos: Ulrike Rossmann (4)

 

Britta, wie deutsch und wie italienisch bist du?

Ich bin sehr preußisch. Ordentlich und pünktlich. Aber im Auto fluche ich wie ein italienischer Brunnenputzer. Ich liebe italienische Lebensfreude und Lebendigkeit. Singen, Tanzen, Laut sein. Mit der Mischung hab' ich es gut erwischt.

 

Apropos Mischung - wie häufig bist du im Leben neu durchgestartet?

Immer wieder (lacht). Na ja, es hat ja schon damit angefangen, dass ich Jura studiert habe, dann in die Wirtschaft gegangen bin und deshalb im Schnelldurchlauf mal BWL lernen musste. Ich bin von Italien nach Deutschland gezogen. Habe in diesen Jahren immer wieder die Branchen gewechselt. Von der Beratung in die Industrie mit stets neuen großen Herausforderungen. Und dann bin ich mit über 50 noch mal Therapeutin geworden, obwohl ich doch eigentlich Juristin bin. Dazu die Trennung von meinem Mann nach 27 Jahren samt Neustart in ein Leben allein.

 

Was war der größte Traum, den du dir auf diesem Weg verwirklicht hast?

Meine Selbständigkeit. Sie ist ein sehr großes Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe. Ich helfe den Menschen dabei, ihre Ressourcen und Fähigkeiten wiederzuentdecken. Mit den Instrumenten der Systemischen Psychotherapie, des Coachings und der Mediation. Nach dem Motto: Die Lösung ist in uns selbst. Ich helfe den Menschen, zu sich selbst zu finden.

 

Wie bist du an der Trennung von deinem Mann gewachsen?

Extrem. Ich habe drei ziemlich harte Jahre hinter mir. Eine Freundin sagte einmal: Es ist so schwer, aus zwei wieder eins zu machen. Und erst mal wieder allein durch das Leben zu gehen.

Wie hat dir deine Lebensfreude dabei geholfen?

Sie hat mir geholfen, mich stets erneut aus dem Loch herauszuziehen. Es gibt immer wieder Momente, die einsam sind. Aber ich wusste, wofür ich es tue. Dass es richtig ist. Alle meine großen wichtigen Lebenssäulen waren da und haben mich getragen: meine Kinder, mein Beruf, meine Eltern, meine Freundinnen und mein Ehrenamt als Sterbebegleiterin. Solange wir atmen, können wir unser Leben gestalten. Selbst Sterbende können das noch. Ich bin jemand, der seine Träume leben möchte. Begnüge mich nicht mit einem Leben auf Sparflamme, nur weil es bequem ist. Ich nehme auch „auf die Schnauze fallen“ in Kauf.

 

Magst du uns ein Beispiel nennen?

In meiner beruflichen Laufbahn bin ich zwei Mal durch das Steuerberaterexamen gefallen. Und das als Top-Juristin! Ich dachte immer wieder: Das kann dir doch nicht passieren. Ist es aber. Ich hatte immer wieder den Mut, aufzustehen, den Staub abzuklopfen und zu sagen: Du machst jetzt weiter. Ich lass mich niemals unterkriegen. Interessant ist, dass ich damals und auch später immer wieder Visionen für mein jetziges berufliches Dasein entwickelt habe. Jedoch nicht wirklich wusste, ob ich das realisieren kann.

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