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"Ich erfinde mich täglich neu" - Interview mit Radio Hamburg Moderatorin Birgit Hahn

Vom Sender in der Spitalerstraße ins Café Hosch nach Winterhude kam gut gelaunt Radio Hamburg Moderatorin Birgit Hahn. Ein Gespräch über Matratzeninterviews und Meerjungfrauen, über Bodyboarding und Busenfreundinnen.

                                                                 Foto: Der Dehmel für Radio Hamburg.

Birgit, du hast bis eben fünf Stunden lang die Radio Hamburg Morning-Show moderiert. Wir schaffst du es, danach so gut auszusehen?

Birgit Hahn: Mein Augen Make up trägt Augen Make up (lacht). Nein, ich schlafe so um und bei sechs Stunden. Nachts vier, mittags schlafe ich dann noch mal rund eineinhalb Stunden. Am Wochenende stehe ich oft um 6.30 Uhr senkrecht im Bett. Ist doch praktisch oder? So kann ich schon mal Gulasch ansetzen... Nachmittags lege mich noch mal hin, so wie Oma Krawuppke. Danach ist alles gut.

 

Wie startest du in deinen Moderationstag?

Um 3.30 Uhr stehe ich auf. Um 4.20 Uhr bin ich im Sender. Als erste, weil ich zehn Minuten Ruhe brauche. Meinen Tee zubereite und mich einrichte. Um halb fünf kommen alle anderen und der Wahnsinn kann losgehen. Wir haben dann noch 30 Minuten, um schnell die ersten Moderationen zu schreiben und zu gucken: Was passiert tagesaktuell? Langweilig wird’s nicht.

 

Wir war’s heute Morgen?

Stressiger als sonst. Wir sind in der Morning Show normalerweise zu dritt on Air. John Ment, André Kuhnert, der Staupilot, und meine Wenigkeit. John war die gesamte Woche im Urlaub. Da habe ich seinen Job mitgemacht. Fünf Stunden klingt nach wahnsinnig viel Zeit. Ist es aber gar nicht. Wenn’s gut läuft, sind wir zufrieden aber vollkommen durch.

 

Du hast mal den Sänger Seal im Bett interviewt.

Das war 2001, noch bevor er mit Heidi Klum zusammen war. Ich komme ins Hotelzimmer und da liegt er. Voll angezogen. Dann höre ich diese sexy Stimme. Alter Verwalter. Er klopft auf die Matratze und sagt: Leg dich doch zu mir. Das Interview dauerte nur 20 Minuten, danach haben wir über Gott und die Welt geredet. Fürs Erinnerungsfoto küsste er mich auf die Wange und ich hatte gleich eine Bombe. Auch noch bei der Rückkehr im Sender, so dass mich die Empfangsdame fragte: „Birgit, hast du einen Alien gesehen?“

 

Wen möchtest du noch mal interviewen?

Ed Sheeran. Mit dem möchte ich einfach nur an der Bar sitzen, einen Whiskey trinken...

 

...und ihm über das rote Haar streichen?!

Genau. Der hat dafür gesorgt, dass es rothaarige Männer wieder leichter haben bei den Frauen. Er ist kein hübscher Mensch. Aber er hat Charisma. Eine Sängerin, die ich unbedingt interviewen möchte, ist Annie Lennox. Wenn die spricht, das schmilzt in meinen Ohren. Ich würde sie gern mal fragen, wie sie es geschafft, diese viele Kraft aus sich selbst herauszuholen.

 

Du wirst als Hamburgs beste Radiomoderatorin bezeichnet. Was macht dich aus?

Ich glaube die Beständigkeit. Seit 20 Jahren bin ich bei Radio Hamburg. Kein Tag ist wie der andere, und ich erfinde mich täglich neu. Ich habe das Talent, vieles wie einen Schwamm aufzunehmen, strukturiert und ohne Reizüberflutung an den Hörer weiterzugeben. Ich bin ein empathischer Typ. Spüre, wenn es jemandem nicht gut geht. Das merken die Hörer.

 

Wie zum Beispiel?

Wir haben am Morgen ein Quiz: „Wer schlägt John?“ Dann kommen die Hörer live ins Studio und quizzen. Vorher gehe ich immer fünf bis sieben Minuten raus und spreche mit ihnen. Sage: Du hast nichts zu verlieren. Was soll passieren? Atme durch. Trink einen Schluck Wasser. Schließe die Augen, wenn du aufgeregt bist. Einfach, um sie abzuholen. Wissen abzurufen vor ein paar Hunderttausend Hörern, ist keine leichte Aufgabe. Da gehört schon Mut dazu.

 

Wie wichtig ist Mut?

Sehr wichtig. Wer mutig ist, kann mit starkem Rücken durchs Leben gehen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung von meiner Höhenangst. Dazu war ich im Hochseilgarten und bin bei 7,50 Metern geklettert. Nach dem ersten Mal mit zittrigen Knien habe ich das nur noch genossen. Seitdem bin ich stolz auf mich. Das macht mich größer und stärker.

 

Du bist im beschaulichen Neumünster geboren, hast im konservativen Münster studiert und in diesem Jahr als Meerjungfrau beim jecken Düsseldorfer Karneval Kamelle geworfen. Erzähl mal!

Mit sechs Jahren bin ich nach Lübeck gekommen und war bis 18 dort. Nach Biologie- und Chemieleistungskurs dachte ich: Na, dann studierst du mal Chemie. Merkte aber schnell: Mathe und Physik musst du ja auch noch können. Dann kam mein Kommilitone Jürgen auf mich zu und sagte: „Birgit, warum machst du nicht was, wo du den gesamten Tag reden musst? Wäre vielleicht besser?“ Ich so: Mmh, da hat er recht, der junge Mann. So habe ich dann Publizistik in Münster studiert und bei Radio ffn in Hannover volontiert. Bis der Anruf vom damaligen Radio Hamburg Chef kam: „Möchten Sie eine Vormittagssendung bei uns machen?“ Da hab’ ich ja gesagt.

                                                                                                                      Foto: Radio Hamburg

So bin ich in Hamburg gelandet. Und irgendwann bei einem Neujahrsempfang. Samt Glücksrad, an dem ich drehte und bei einer Narrenkappe stehenblieb. Der Gewinn war ein Besuch beim Düsseldorfer Karneval samt Meerjungenfrauenkostüm. Und wunderbarer türkisfarbener Perücke mit Krönchen und Glitter... Mitgefahren bin ich dann auf dem Wagen der Honoratioren. Habe vier Stunden gewunken und Kamelle geworfen. Um acht Uhr war bereits der erste Korn am Start. Das war ein Spaß.

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